BOKEH BUBBLES

38061751951_8fb928e3b1_h.jpgEin Porträt mit Zerstreuungskreisen oder „Bokeh Bubbles“. Hübsch, aber beim genauen Hinsehen fallen Anschnitte an den Kreisen auf. Woran liegt das? Canon 5D Mk III, EF 50 f/1.2L auf Blende 1,4, 1/640 Sekunde, ISO 200.

Hallo, schön, dass Ihr hier vorbeischaut. Heute geht es wieder einmal um das magische Bokeh, allerdings in einer etwas weniger magischen Form, weil es heute vermessen wird! Wie schön sind die Kreise? Wie können sie angeschnitten und andersweitig deformiert werden und warum? Wie kann man das vermeiden?

Viel Spaß!

SCHÖNE BOKEH BUBBLES

Um was geht es?

Wer häufig offenblendig fotografiert und die Geschichte mit kleinen Lichtquellen im Vordergrund auch noch auf die Spitze treibt, der wird irgendwann einmal eine hässliche Verformung der schönen Kreise feststellen. 😦

Mich hat das schon immer gestört, mal weniger, mal mehr, und jetzt bin ich der Sache mit der Hilfe von >Walter E. Schön (besten Dank, Herr Schön!) auf den Grund gegangen. Ziel war, eine Faustregel ableiten, wie man möglichst schöne Kreise bekommt.

Der Test

Wenn Ihr unten klickt, seht Ihr eine Bildergalerie mit 16 Bildern einer LED-Lichterkette, alle aufgenommen vom selben Standpunkt, mit dem selben Fokus. Von Bild zu Bild ist entweder das Objektiv oder Blende verändert. Der Dateiname oben links gibt hierzu Auskunft.

Es fällt auf, dass die runde Form der Zerstreuungskreise häufig unschön deformiert wird.

bokeh-test

Das Ergebnis

Die Messung liefert drei Fehlerbilder, die ich hier in einer Grafik zusammengefasst habe:

DREIER.jpg

LINKS: Bei lichtstarken Objektiven beschneidet der eckige Spiegelkasten der Kamera den Strahlengang und köpft die schönen Kreise wie Frühstückseier.

MITTE: Man kann der Sache beikommen, indem man abblendet, aber dann sind die Kreise erstens kleiner und zweitens auch nicht mehr rund, sondern 5-, 6- oder 8-eckig. Das ist auch bei den teuren Canon-L-Objektiven der Fall, auch dann, wenn man nur wenig abblendet (auch das EF 50 f/1.2L und das EF 85 f/1.2L haben nur acht Blendenlamellen).

RECHTS: Wenn man ein etwas weniger lichtstarkes und damit schlankeres Objektiv nutzt, dann wird der Strahlengang nicht mehr (nur) durch den Spiegelkasten, sondern auch durch runde Teile im Objektiv begrenzt (man kennt diese Erscheinung von den Mondphasen). Es entstehen kleine „Footballs“! Für mich persönlich ist das aber ein Effekt, der verschmerzbar ist.

Lösungen

Es gibt mehrere Möglichkeiten, dem Problem beizukommen. Am Anfang steht für den eigenen Linsenpark der obige Test mit der Lichterkette an. Dann weiß man genau, welches Objektiv sich wie verhält. Ich habe für mich zum Beispiel abgeleitet, dass das Canon EF 85 f/1.8 für deutlich erkennbare Kreise am besten geeignet ist. Es produziert zwar einige Footballs, aber dafür weniger geköpfte Eier als das edle EF 85 f/1.2. Die Football-Form stört mich nicht. Ich finde sie sogar eigentlich ästhetisch.

Wenn man dieserart ein Objektiv ausgewählt hat, sollte man es stets komplett offenblendig betreiben, um eckige Formen, verursacht durch die Form der Blendenlamellen, zu vermeiden.

Eine andere Möglichkeit ist, statt einer Spiegelreflex eine Kamera mit elektronischem Sucher zu verwenden (Sony Alpha 7/9 etc.), dann fällt der Spiegelkasten weg. Wie dann die Ergebnisse werden, muss man wieder testen, da es dann statt des Spiegelkastens andere Hindernisse im Strahlengang gibt, bspw. die Bauelemente des Objektivs selbst oder jene des Objektivadapters.

Und zu guter Letzt kann man auch noch einfach auf sehr nahe Lichtquellen verzichten sowie die Aufnahme später zuschneiden. Durch den letzten Trick fallen dann je nach Enge des Beschnitts viele der Spiegelkastenschnitte einfach weg.

Mit einem Mix der Tricks fährt man am besten:

  1. Optimales Objektiv aus dem heimischen Linsenpark rausmessen.
  2. Stets komplett offenblendig fotografieren, um die Achtecke zu vermeiden.
  3. Keine zu nahen Lämpchen verwenden oder ganz auf Lichtquellen vor dem Motiv (Front Bokeh, Foreground Bokeh) verzichten und nur Lichter hinter dem Motiv aufnehmen.
  4. Bildschnitt eher großzügig wählen, um später notfalls noch hässliche Kreise wegschneiden zu können.

Wenn man auf die sehr nahen Lichter verzichtet, ist normalerweise auch leider der Bokeh-Effekt nicht mehr so ausgeprägt. Die Kreise sind nicht mehr so groß. Wenn man dann aber das Objektiv verkippt, erzielt man einen sehr ausgeprägten Unschärfeeffekt mit großen Bubbles, ohne den steilen Einfallswinkel der Strahlen und damit ohne die hässlichen Spiegelkastenanschnitte (>Freelensing, Tilt-Shift-Adapter).

Hier ein Beispiel dazu. In der >Bildergalerie seht Ihr noch weitere Bilder, die so aufgenommen wurden.

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Lasst es mich wissen, wenn Ihr noch weitere Tricks kennt, um dem Problem beizukommen.

BROWSER-STRANDGUT

Heute ganz im Zeichen des Bokehs, viel Spaß! 🙂

Meine Flickr-Bildersammlung mit viel Bokeeeeh, da seht Ihr auch die obigen Effekte teils nochmal genauer, auch das Freelensing:
screenshot.jpg

Mark Wallace: Front Bokeh Portraits:

Shoot and Edit Night Portraits:

Adorama / Trough the Lens, mit Brandon Woelfl:

Justin Odisho: Bokeh mit Photoshop:

Tilo ~gallo~ Gockel, 10.11.2017

 

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