Ihr Lieben, was würdet Ihr sagen, welche Objektive für die Food-Fotografie gut taugen? Nun, ich würde sagen, dass fast alle taugen, aber manche taugen besser als andere!

Vorbemerkung: Alles was jetzt kommt, ist aufs Vollformat bezogen. Wer APS-C verwendet, sollte die Brennweiten umrechnen, um die Bildwirkung einordnen zu können: 70 mm wirken am Vollformat wie 44 mm an APS-C (70mm : 1,6 = 44 mm). 50 mm wirken am Vollformat wie 30 mm an APS-C.
Brennweite, Perspektive, Schärfentiefe, Makrofähigkeit
Die Brennweite eines Objektivs bestimmt die Perspektive, denn Weitwinkelobjektive <40mm wird man auf kürzere Abstände einsetzen als Teleobjektive >70 mm. Für die Foodfotografie gelten Teleobjektive gemeinhin als „gefälliger“. Aber Vorsicht: eine zu lange Brennweite kann die Motive auch flach wirken lassen.


Die Blende bestimmt die Schärfentiefe. Häufig wird man für Food für ein schönes Bokeh die Blende eher öffnen, aber wieder ist Vorsicht geboten. Wenn der Abstand zum Motiv klein ist, wird mit offenener Blende die Schärfentiefe schnell zu gering. Man erkennt dann einfach zu wenig vom Motiv. Gerade bei lichtstarken Objektiven mit Offenblenden von 1,2 oder 1,4 sollte man dann doch etwas abblenden. Gute Standardwerte sind 2,8 für Bokeh und 11 oder mehr für durchgehende Schärfe.


Die minimale Objektdistanz MOD bzw. die maximal erzielbare Vergrößerung bestimmt die Makrofähigkeit eines Objektivs. Wünschenswert wäre eine Vergrößerung von um die 0,25, die bereits schöne Close-ups ermöglicht. Diese Vergrößerung können auch erschwingliche Zooms schon liefern.
Im Anschluss seht Ihr auch Ergebnisse mit einem speziellen Makroobjektiv. Solche Linsen ermöglichen dann auch Vergrößerungen von 1. Auch wenn man diese extremen Vergrößerungen nicht braucht, ist der Umgang mit einem Telemakro angenehmer, weil die MOD mit einem Standard-Tele sehr lang wird. Ein kurzes Standardtele mit 85mm liegt schon bei bei fast einem Meter.
Sigma 24-70mm F2.8 DG DN II | Art (für Sony E-Mount)
// Hier der ausführliche Test des Sigma-Zooms in der aktuellen II-Version.
Ein lichtstarkes 24-70 ist universell einsetzbar. Es taugt für Flatlay-Aufnahmen von oben herab, für Schrägansichten, für Close-ups und für weitwinklige Making-ofs.
Wann immer möglich wird man es auf der Telestellung von 70 mm betreiben, weil diese leichte Teleperspektive gefälliger wirkt (die Weitwinkelperspektive erinnert gerne mal an die ersten Handyfotos). Die minimale Objektdistanz ist mit 34 cm in Telestellung und 17 cm in Weitwinkelstellung bequem kurz, sodass man leicht auch Dinge in der linken Hand halten und mit der rechten Hand fotografieren kann. Und auch für Fotoreportagen vom Streetfood-Markt ist dieser universelle Klassiker gut geeignet.
Leichte Kompromisse muss man nur in wenigen Punkten eingehen. So ist die Perspektive auf der 70mm-Telestellung zwar bereits recht angenehm, aber ein Tele mit 85, 90 oder 105 mm wirkt noch ein wenig eleganter. Der maximale Abbildungsmaßstab ist für Closeups zwar völlig ausreichend (1:2,7 in Weitwinkelstellung, 1:4 in Telestellung), aber ein dediziertes Makroobjektiv kann es mit 1:1 noch besser. Und last but not least ermöglicht die durchgehende Lichtstärke von 2,8 zwar auf kurzem Abstand schon ansehnliche Schärfeverläufe mit schönen Bokeh-Effekten, aber naturgemäß ist Bokeh das Eldorado der Festbrennweiten.
Summa summarum: wenn ich aus meinem Linsenpark nur ein Glas rauspicken dürfte, dann wäre es ein 24-70!






Sigma 105mm F2.8 DG DN Macro | Art (für Sony E-Mount)
Weg vom universellen Klassiker, hin zum dedizierten Makroobjektiv.
Fast alle Foodprofis nennen ein Telemakro mit 90 oder 105 mm ihr eigen. Es „komprimiert“ noch ein wenig mehr als das Zoom auf 70 mm und liefert dadurch eine noch schönere Perspektive. Da es sich um eine Festbrennweite handelt, ist auch das Bokeh noch etwas weicher. Und nicht zuletzt wird man ab und an auch die Makrofähigkeit genießen. Bei 1:1 wird es beispielsweise leicht möglich, eine Kirsche bildfüllend einzufangen.
Die Schrägansichten und die Ansichten von oben sind auch mit dem Telemakro möglich, allerdings muss man hier schon ganz schön auf Abstand gehen. Das Flatlay von der Muffins-Backform in der Galerie unten wäre ohne Leiter nicht mehr möglich.
Wer eine Alternative zum 105er Makro sucht, für den könnte auch ein 85er-Tele in Frage kommen. Sowohl Sigma als auch die Mitbewerber haben gute Varianten im Angebot, die bei Lichtstärken von 1,8 oder 1,4 auch noch erschwinglich sind. Gepaart mit ein paar preiswerten Zwischenringen wird auch solch ein Objektiv dann makrofähig.




Lichtstarke Festbrennweiten
Die lichtstarken Primes sind eine Liga für sich. Ich liebe besonders die 50er, weil sie herrlich unaufgeregte und dabei fast schon holografisch wirkende Fotos mit tollem Bokeh liefern. Für die Food-Fotografie im Studio sind 50 mm nicht ideal, aber für Fotoreportagen für mich persönlich die erste Wahl (gerne dann gepaart mit dem 24-70-Zoom, sozusagen als Rückversicherung).
In der Galerie zeige ich für Euch ein paar Eindrücke von einem Eat-The-World-Trip in Frankfurt (empfehlenswert!). Die Fotos habe ich damals mit einem Canon EF 50 1.2 aufgenommen, aber seid versichert …. sie werden mit dem gezeigten Sigma 50mm F1.2 DG DN Art (für Sony E-Mount) noch besser – ich habe beide Objektive und habe sie intensiv verglichen!












Browser-Strandgut
Skyler Burt von „WeEatTogether“ zeigt seine vier Lieblingslinsen
Skyler Burt erklärt den Wert der gedruckten Portfolios
–– http://www.fotopraxis.net , Tilo ~gallo~ Gockel, Anfang Januar 2026


Guten Morgen Herr Vicco Gallo !
Erstmals ein frohes neues Jahr wünsche ich Ihnen…
Keine Frage tolle Fotos mit diesen klassischen Objektiven.
Mittlerweile hat sich aber die Fototechnik und -optik ein Stückchen weiter entwickelt.
Die neuen RF Folgemodelle von 50mm 1.2 und 100mm Makro ( mit jetzt 1,4:1 Vergrösserung) bitten noch mehr Komfort und Qualität an ?
Auch einige Hobby-Optiken, wie Zb RF 35 mm oder 24mm f1.8 haben eine Makro-Funktion.
Was sagen Sie zu diesen Entwicklungen und was ist Ihre Meinung zum (unkonventionellen) Weitwinkeleinsatz ( gerne sogar bis 10-11 mm an FF) in der Foodfotografie ?
VLG
H.Fontane
Guten Morgen und danke fürs Feedback!
Die genannten Sigma-Objektive sind allesamt aktuell, für Spiegellose von Sony gerechnet (E-Mount).
Nimm zum Beispiel das 50 1.2: 17 Elemente in 12 Gruppen, 4 asphärische Elemente(!)
Das von Dir genannte Canon RF 50 1.2 hat 15 Linsen in 9 Gruppen und m.W. drei asphärische Elemente. Von daher…?
Weitwinkel für Food:
Klar, man kann es ausprobieren. Ich würde meinen, es gibt einen Hinguckereffekt, der sich dann aber rasch abnutzt.
Meine 2 Cents. 😊
LG Vicco / Tilo