EF 50 f/1.2 – Traumlinse oder zickige Diva?

22418496494_c1cf2df95d_h - Kopie Hallo zusammen, schön, dass Ihr hier vorbeischaut. Ab und zu muss man sich doch mal was gönnen – Ihr seht das sicher genauso – und bei mir ist es dann öfters einmal ein feines Essen, ein Kurzurlaub oder eben ein neues Objektiv. Heute daher im Blog: eine Vorstellung des EF 50 f/1.2. Um es vorweg zu nehmen: Linsen wie diese sind für mich der Grund, bei Canon zu bleiben.

SCHON WIEDER EIN FUFFZIGER?

Oder: Lichtstarke Linse als Pano-Ersatz.

Ja, es stimmt, ich habe eigentlich schon vier 50er. Das alte 1.8er, und das neue 1.8er, das 1.4er und das 2.5 Macro. Letzteres würde ich sofort wieder kaufen, das neue 1.8er auch, die anderen eher nicht. Aber egal. Wieso schon wieder eines? Das kann ich erklären: Ich habe in letzter Zeit viele >Panos (Bokehramen) gemacht, und bei diesen Bildern kann man mit >Brett Maxwells Online-Rechner ausrechnen, was man denn mit der Panotechnik nun für eine Linse simuliert hat (die Theorie folgt weiter unten).

Und siehe da, ich bin häufig bei 45 mm f/1.1 oder 52 f/1.2 oder bei ähnlichen Werten gelandet. Und dafür braucht man doch genau genommen gar kein Pano, sondern nur ein sehr lichtstarkes Objektiv, das auch bei Offenblende bereits scharf ist. Letzteres kann man zur Sicherheit bei >SLRGear einmal checken. Hier die Kennlinien des 1.4er und des 1.2er zum Vergleich, bei Offenblende, dann wisst Ihr, was ich meine (Pink ist gut, Grün ist nicht gut).

capture_002_17112015_224924 - Kopie capture_003_17112015_224927 - Kopie

 

BEIM KAUF ZU BEACHTEN

Wer die Linse anschafft, der sollte sie vorher beim Händler auf Front- oder Backfocus durchmessen. Das ist (mit) ein Grund, wieso man so ein Ausrüstungsteil besser beim Fachverkäufer kauft. Generell hatte ich zwar bei L-Linsen noch nie AF-Fehler, aber bei anderen schon, und zwar teilweise relativ große. Das Vorgehen bei der Messung: Karopapier mit schwarzem Strich oder Geodreieck auf den Boden, Kamera mit Linse drüber, unter 45 Grad, offenblendig, auf kürzest möglichem Abstand, dann Fotos machen.

Diese Vorgehensweise sichert zumindest, dass das neue Objektiv in der extremsten Situation (in jener mit der geringsten Schärfentiefe) gut funktioniert. Focus Shift, sprich: die Abhängigkeit Focus vom Abstand der auch von der Blende wird hier nicht abgedeckt. Aber immerhin.

Falls Ihr die Linse samt Body einschickt, dann gebt Eure Blende an, die Ihr gerne nutzen wollt und auch den Arbeitsabstand.

BEIM SHOOTEN ZU BEACHTEN

Die Linse macht nur im Blendenbereich 1.2 bis 1.6 Sinn. Vielleicht mal noch 2.0, aber alles Engere kann man auch viel billiger haben. Bei f/1.2 wird das Fokussieren allerdings sehr knifflig, da die Schärfeebene dort papierdünn ist. Und auch Focus-and-Recompose mit dem mittleren AF verbietet sich bei dieser relativ kurzen Brennweite von selbst, da die Winkelfehler zu groß werden. Man muss hier passende AF-Sensoren wählen. Einzige Alternative meines Erachtens: Displaylupe drauf, Liveview (eingezoomt), dann manuell fokussieren. Ok, vielleicht kann man auch mal noch den kontrastbasierten Liveview-AF probieren …

>Backbutton Focus erhöht generell die Ausbeute, und wer die Schärfe unbedingt an den Rand oder in die Ecke legen will, der kann auch einfach ein Zweier-Pano schießen. Übrigens gilt zumindest für mich die Reziprokformel anscheinend selten bis nie, weil ich Aufnahmen mit 1/50 Sekunde häufig leicht verwackle. Lieber 1/125, lieber mehr ISO.

WAS ANDERE SO DAMIT MACHEN

Was andere damit zaubern, sieht man zum Beispiel auf Flickr. Und wenn man die jeweilige Flickr-Website (zur Gruppe >Canon EF 50 f/1.2) in Flickriver öffnet, dann kann man auch nach Interestingness sortieren. Man muss nur flickr durch flickriver und https durch http ersetzen:

screenshot

MEIN EINDRUCK BISHER

Ich bin ja nicht so der euphorische Typ, aber das Objektiv ist schon saugut. Die Linse kommt einfach souverän rüber. Die Bildkomposition damit gelingt spielend, weil der Bildwinkel dem des Auges sehr ähnlich ist. Effektheischende (billige? rasch abgenutzte?) Geschichten wie Weitwinkelperspektiven oder krasse Teleperspektiven gehen damit eh nicht, und auch das macht den Umgang damit entspannt und die Ergebnisse wunderbar unaufgeregt. Telelinsen zeichnen den Hintergrund zwar weicher, können aber nicht so viel vom Hintergrund darstellen – es passt einfach nicht so viel aufs Bild. Da ich mir gerne schicke Hintergründe suche, will ich aber den Hintergrund auch würdigen.

Sie liebt die Blaue Stunde und die Dunkelheit, und sie geht perfekt mit dem 5d3-Body im hohen ISO-Bereich zusammen. So eine Kombi gibt es nur von Canon. Sony und Nikon haben im Moment die besseren Sensoren, aber solche Leckerbissen, auch noch mit Autofokus, hat nur Canon im Angebot: EF 50 f/1.2, EF 85 f/1.2, EF 135 f/2.0, EF 200 f/2.0 … das sind ganz einfach unschlagbare Linsen.

FÜR DIE TECHNIKFREAKS

Für die technisch Interessierten habe ich hier noch zwei kleine Rechnungen parat. Einmal ist denke ich interessant: Wieviele Lichtwerte hat denn nun ein 1.2er einem 1.4er oder 1.8er voraus? Ein Tipp: Es sind nicht 0,2 oder 0,6 EV. 🙂

EV = log2 (k² /t); EV: Lichtwert, log2: Zweier-Logarithmus, k: Blendenzahl, t: Belichtungszeit. Wähle t beliebig, hier zu 1:

log2 (1,8²) – log2 (1,2²) = 1,17 EV

log2 (1,4²) – log2 (1,2²) = 0,44 EV

Und jetzt die Frage, wie denn wohl >Brett Maxwells Brenizer-Rechner funktioniert. Die Theorie steht schon >hier im Blog. Zur Praxis nun ein Beispiel: Gegeben sei ein >Panorama, welches mit einer 5D Mk III und mit einem Objektiv 85 mm f/1.8 (auf f/1,8) aufgenommen wurde. Die Mk III hat eine Auflösung von 5760 Px x 3840 Px. Das Ergebnisbild hat 11000 x 6500. Der Cropfaktor ist das Verhältnis der zwei Bilddiagonalen: c_crop = 0,54.

Die neue Brennweite ist damit f_alt * c_crop = 46 mm, die neue Blende ist k_alt * c_crop = f/1,0.

GALERIE

In der Galerie seht Ihr ein paar erste Eindrücke. Ich habe die Linse erst ein paar Tage so …..stay tuned. Da kommt sicher bald noch mehr, und dann auch etwas aus dem People-Bereich.

 

 

BROWSER-STRANDGUT

Hier kommen nun noch zwei youtube-Filme mit Bild- und Filmbeispielen zum 50 f/1.2. Viel Spaß damit, aber Vorsicht, die Ergebnisse machen Appetit! 🙂

 

Tilo ~gallo~ Gockel, 26.11.2015

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5 Kommentare

  1. Patrick

    Hallo Tilo, auch ich schiele bereits seit einigen Jahren auf das 50mm 1.2 und auch heute würde ich es dem ach so hochgelobten Sigma 50mm ART vorziehen. Ich sende Objektive nicht gerne ein. Daher nehme ich auch nicht an der Sigma-Lotterie teil. Was mich jedoch immer wieder am 50mm 1.2 abgeschreckt hat, war der Preis. Bitte nicht falsch verstehen: Für ein 24-70 2.8 II, ein 70-200 2.8 IS II oder ein 135mm 2.0 lege ich vorbehaltlos Geld auf den Tisch. Aber 1300 Euro für ein 50mm sind schon eine Ansage. Dennoch sehe ich (für mich) aktuell keine Alternative. Andere Linsen sind zwar sicherlich schärfer, aber das Bokeh ist traumhaft und es liefert einen tollen Gesamteindruck. Was persönlich ja besonders mag ist… mir fällt der Fachbegriff gerade nicht ein… wenn sich „das Bokeh in einer Art kreisförmigen Bewegung an den Bildrändern darstellt“ – Das kann das 135L auch und ich liebe das 🙂
    Was sagst Du zum Thema Preis/Leistung? Abseits der Tatsache, dass Equipmentkauf nicht immer zwangsläufig etwas mit Vernunft zu tun hat 🙂
    Grüße!
    Patrick

  2. Hi Patrick, Du , tcha, das ist wie mit dem Rotwein. … jener für 20 Euro ist auch nicht doppelt so gut wie der für 10 Euro. Also ich finds super, mehr kann ich nicht sagen. Das gilt aber nur für mich, weils gerade für mich irgendwie richtig kommt und weil ich damit auch bewusster Bilder mache. Eigentlich kann ich nur raten, dass Du es halt vorher leihst, bspw bei Calumet oder so … LG Tilo

  3. Patrick

    So, mittlerweile ist das gute Stück meines 🙂 Allerdings als Gebrauchtkauf. Insgesamt bislang wirklich ein tolles Objektiv, jedoch macht mich der Autofokus (zumindest unter simulierten „Laborbedingungen“) wahnsinnig! Insbesondere der Fokus Shift: Per Dot-Tune-Methode komme ich bei F/1.2 auf eine Autofokuskorrektur von -6. Das sollte also passen. Blende ich z.B. auf F/2.8 ab, tritt ein recht heftiger Backfokus zutage. Daher habe ich noch eine Messung per Spyder Lenscal durchgeführt, diesmal gleichzeitig mit F/1.2 und F/2.8. Hier müsste ich den Korrekturwert auf -18 Stellen, damit es bei 2.8 einigermaßen passt. Aber logischerweise rutscht der AF dann auch wieder bei 1.2 nach vorne… Erste Recherchen ergaben: Scheint normal zu sein. Den einen stört es, den anderen nicht und wieder andere haben gelernt, dies zu kompensieren. Es hilft nichts… Muss das gute Stück wohl erst mal in der Praxis ordentlich testen! Da relativiert sich oft Vieles 🙂

  4. Servus Patrick, bei mir ists noch immer eine meiner liebsten Linsen. Ich verwende das gute Stück allerdings tatsächlich meist mit 1.2 im Moment (dafür kauft man sie ja). Was noch helfen kann: kontrastbasierter AF im Liveview-Modus. Ich hab bei der mk II und mk III Software-Updates eingespielt und zumindest gefühlt haben diese den kontrastbasierten AF beschleunigt. Bei der mk III geht es richtig gut, finde ich, optimalerweise mit einer Displaylupe. Dann ist backfocus Geschichte …. LG Tilo

  5. Patrick

    Einer der wichtigsten Gründe warum ich eine DSLR bevorzuge ist der Phasen-AF. Den Live-View-Modus nutze ich ausschließlich, wenn ich eine Vorschau in der Objektfotografie (i.d.R. mit manuellem Fokus) benötige, um die Schärfeebene exakt zu platzieren. Aber gut, warum soll man nicht mal neue Wege gehen, wenn dies erforderlich ist?

    In einem Deiner Artikel habe ich zudem mal gelesen, dass eine weitere Möglichkeit ist, sich bei der Aufnahme leicht vor und zurück zu bewegen, während man mehrere Aufnahmen macht – Das war ein Tipp für die Arbeit mit großen Offenblenden, wenn ich mich recht entsinne. Bislang habe ich mir damit ganz gut helfen können, denn eines der Fotos wird mit hoher Wahrscheinlichkeit scharf wo es scharf sein soll 🙂

    Ich habe übrigens einen Front-Fokus im Hinblick auf das Focus Shifting – Gelegentlich werfe ich das durcheinander 🙂

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