Workshop: Edle Steine

Hallo zusammen, schön, dass Ihr hier im neuen Jahr direkt einmal vorbeischaut! Heute gibt es einen Workshop, wie man feinste Juwelen so aufnimmt, dass sie auch wirklich perfekt strahlen und wertig wirken. Leider hatte ich gerade keine Juwelen zur Hand, daher musste es Modeschmuck tun, aber die Armbänder finde ich auch gar nicht mal so unschick. 🙂

SCHMUCKFOTOGRAFIE

Wie sagt >Eberhard Schuy immer so schön? Bei Schmuck muss man nicht beleuchten, sondern helle oder dunkle Flächen in den Schmuck „einspiegeln“! Wohl wahr. Auch bei den Armbändern aus Plastik- und Glasperlen habe ich rasch festgestellt, dass die glänzenden Kugeln wie Rundumspiegel wirken und den gesamten Raum einfangen.

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Ergebnis

Das ist entsprechend die erste Schwierigkeit. Das zweite Problem ist die Spiegelung – nach ein paar Versuchen mit >Acrylglas usw. habe ich einfach einen simplen Wandspiegel verwendet, der dann aber bekanntermaßen eine Doppelspiegelung erzeugt (da kümmern wir uns später darum). Das dritte Problem ist der gewünschte dunkle Hintergrund, und das ist mit einem Abschatter (einem „Flag“) über dem Schmuck zu lösen. Und das vierte Problem ist, dass die Schärfentiefe der Linse auch bei f/16 oder f/22 bei Weitem nicht ausreicht. Aber eines nach dem anderen:

1. Die eingespiegelten Flächen

Da gäbe es zum Beispiel Lichtzelte, aber mir persönlich hat dieses eher schwammige Überalllicht in diesen Zelten noch nie gefallen. Besser, man baut sich selbst eine Hohlkehle aus Translumfolie, durch die man hindurchblitzen kann. Diese Hohlkehle, zusammen mit zwei Reflektoren links und rechts (zwei Blatt Papier) wird nun eingespiegelt in den hochreflektiven Schmuck.

2. Die Spiegelung der Kette

Ja, da gäbe es besagtes >schwarzes und weißes Acryl, aber die Spiegelung wurde hiermit nicht so richtig schön und deutlich, nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Glas käme infrage, auf einer Seite schwarz lackiert oder sandgestrahlt, um die Doppelreflexion zu vermeiden, aber das hatte ich aber nicht zur Hand, und auch hier ist die Spiegelung nicht so deutlich, wie bei einem simplen Spiegel. Ich habe einfach einen Wandspiegel verwendet und mich erst im Anschluss dann um die Doppelreflexion gekümmert – die Kette wird sowieso freigestellt. Besonders schick wäre ein Edelstahlspiegel. So etwas fehlt mir noch, das würde eine deutliche Spiegelung, aber keine Doppelspiegelung erzeugen. Müsste ich mal anschaffen … 🙂

3. Helle Kette auf dunklem Grund

Jetzt wird es quasi trigonometrisch. Die weißen Flächen sollen in den Schmuck eingespiegelt werden, nicht aber in den Spiegel, die schwarze Fläche umgekehrt. Damit bekommt der Schmuck einen dunklen Hintergrund. Es ist ein wenig fummelig, aber es gelingt dann doch. Über dem Schmuck ist hierfür ein kleiner schwarzer Abschatter angeordnet (ein schwarzer Fotokarton bspw.), und dann müsst Ihr schauen, wie beim Billardspielen, wie denn die Strahlen verlaufen. Es gilt wie immer Einfallswinkel = Ausfallswinkel.

4. Die geringe Schärfentiefe

Bei dem kurzen Abstand und in der schrägen Draufsicht wird das Problem rasch deutlich: Die Ausdehnung des Armbandes übersteigt auch bei f/16 oder f/22 die Schärfentiefe der Linse bei Weitem (btw.: verwendet habe ich ein preiswertes, aber gutes Makroobjektiv EF 50 f/2.5). Tilten? Ja, das ginge theoretisch. Ich habe dafür einmal das Lensbaby EDGE 80 getestet, aber das Canon ist einfach die wesentlich bessere Linse! Also Focus Stacking: Kamera aufs Stativ, vier Fotos machen mit wanderndem Fokus, fertig.Wieso gerade vier? Das habe ich so Pi mal Schnauze geschätzt, und das hat auch gut gepasst. Der Rest geschieht später in Photoshop.

5. Die Aufnahme

Kamera aufs Stativ, auf Liveview und Manuellen Fokus, 10x einzoomen in das Liveview-Bild, manuell scharfstellen, 2-Sek-Timer, dann auslösen. Viermal wiederholen – das dauert aber de facto insgesamt nur 2 Minuten. Bei der verwendeten Kamera (5D Mk III) hat man den schönen Nebeneffekt, dass im Liveview-Modus auch der Spiegel hochgeklappt ist (und bleibt!), und man spart sich so auch die Spiegelvorauslösung.

6. Photoshop

Raw-Import der vier Aufnahmen, Focus Stacking, Linsenkorrektur, Kette freistellen (Pfadwerkzeug), Hintergrund weichzeichnen, Kette retuschieren (Kratzer, Staub, unerwünschte Reflexionen), dezente Vignette und dezentes Dodge and Burn, Scharfzeichnen, fertig! Das lästige Freistellen dauert am Längsten und macht am wenigsten Spaß. Profis wie Eberhard Schuy geben das daher raus an Agenturen wie zum Beispiel (im Falle Schuys) an  >www.clipping24.de.

Und hier findet Ihr auch den exakten >Aufbau, mit Sprechblasen bei den einzelnen Teilen.

Tipps und Lessons Learned

  • Für solche Fotos sind die schicken Manfrotto-Clamps und Magic Arms doch hilfreich. Es geht auch ohne, nur mit Lichtstativen, aber die Beine der Stative sind sich dann irgendwann im Weg. Der kleine Ikea-Tisch ist prima, er braucht nur noch hinten lange Holme, und das bekommt er auch demnächst (im Moment sitzen dort zwei angegafferte Maler-Teleskopstangen 🙂 ).
  • Das verwendete kleine Makro (>Canon EF 50 f/2.5) ist preiswert und genau richtig für solche Geschichten. Die Linse ist scharf, kontraststark und hat einen schönen Bildwinkel – die Bilder werden damit nicht so flach und platt wie mit den längeren Makros. Für Porträtfotos oder Ähnliches taugt es aber nicht gut, weil der AF wirklich schneckenlangsam ist.
  • Man sieht wirklich *alles* in der Reflexion der runden Perlen. Den ganzen Raum quasi, samt dem Fotografen in Unterhose im schlimmsten Fall. Was hier hilft, das sind entweder schicke Unterhosen, oder auch ein großer weißer Karton mit Ausschnitt für die Linse!
  • Holla! Die 5DMk III geht endlich nun auch mit den YN-602 perfekt zusammen. Früher hat im Liveview-Modus die Blitzauslösung nicht funktioniert, das ist behoben, danke, Canon!
  • Auch prima funktioniert fürs manuelle Fokussieren im Liveview-Modus (im M-Modus) die Belichtungssimulation. Man muss also nicht etwa dauernd von M auf P oder so umschalten, um etwas zu sehen. Die Funktion muss allerdings freigeschaltet werden per: „Belichtungssimulation während xx“ Das xx ist im Menü ein Blendensymbol, es steht für „während der Aufnahme“. In diesem Modus wird ganz einfach die das Liveview-Bild immer gut erkennbar dargestellt, *nicht* also so, wie das später das Foto aussehen wird. Letzteres kann man über die Schärfentiefenprüfungstaste sehen.

BROWSER-STRANDGUT

+++ Tilt-Shift +++Backbutton Focus +++ Lightpainting +++ Photoshop +++ High Fashion +++

  • Eine neue Bildagentur, bei der sich die Kunden auch einfach Bilder wünschen können und die Fotografen dann losziehen, und diese machen:
    http://www.twopapp.com
  • Peter Hurley: Headhots, “It’s all about the Squinch!”

  • Elizaveta Porodina | STILISTEN Shooting | Behind The Scenes. Ein Tipp von Mia Carma:

~gallo~, 01.01.2014

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