Rauschfreie Kameras im Kommen …?

In der aktuellen Ausgabe II 2009 (10/09) der Zeitschrift „Photographie“ schreibt der Redakteur im Testbericht zur neuen Canon EOS 7D: „Bildrauschen bis ISO3200 vernachlässigbar“. Das klingt natürlich toll und wäre sicher allein schon ein Grund, die Kamera anzuschaffen.

Aber ist es überhaupt möglich? Kann diese Kamera mit dem kleinen APS-C-Sensor so viel besser sein, als bspw. die 50D/500D (die 50D und 500D haben den gleichen Sensor bis auf das Mikrolinsenarray)? Mal schauen: Alle drei haben APS-C-Format-Sensoren, haben also über den Daumen nur die halbe Sensorfläche im Vergleich zum Kleinbild-Vollformat (24 mm x36 mm). Hier ist entsprechend kein Quantensprung zu erwarten. Die DIGIC-IV-Bildprozessoren scheinen auch die gleichen zu sein. Aber vielleicht wendet Canon den den Trick mit der reduzierten Auflösung wie bei der neuen Kompakten Canon G11 an (ehemals: G10: ca. 14 MPixel, jetzt: G11: ca. 10 MPixel und dadurch geringeres Rauschen)? Nein, auch das ist nicht der Fall, die neue SLR besitzt mit 18 MP versus 15 MP bei 50D/500D sogar eine höhere Auflösung!

Nun, vielleicht hat der Redakteur und Tester gerade ein Bild fotografiert, welches da ein wenig unkritisch ist. Ist so etwas möglich? Ja, das ist möglich. Das Rauschen hängt auch vom Objekt ab (s. die Beispiele unten): Weist das Objekt keinen großen Dynamikumfang auf, so kann das Bild optimal ausgesteuert werden, der Sensor erscheint dadurch rauscharm. Weist das Bild aber einen hohen Dynamikumfang auf, so wird die Automatik oder auch der Fotograf bspw. per Belichtungskorrektur nach unten korrigieren (müssen), um eine lokale Übersteuerung und Effekte wie ausfressende Lichter zu vermeiden. Die dunkleren Bereiche sind dann nicht mehr optimal ausgesteuert und weisen ein erhöhtes Rauschen auf.

Noch schlimmer wird es, wenn man solch ein Bild in Photoshop per Tiefen und Lichter zu korrigieren versucht. Durch das Anheben der Tiefen wird auch das Rauschen verstärkt.

Eine andere Anwendung für eine -EV-Korrektur kann auch sein, mit der Belichtungszeit (aus der Hand) wieder in einen verwackelungsfreien Bereich zu kommen. Ist das sinnvoll? Schwer zu sagen, grundsätzlich lässt sich Rauschen besser später in der Bildverarbeitung reparieren als Unschärfe. Oft ist dann aber ein Versuch mit eigentlich zu langer Belichtungszeit, aber im Serienbildmodus lohnenswert(er) – eines der Bilder wird wahrscheinlich scharf sein und ist dann auch nicht zu verrauscht.

Summa summarum würde ich persönlich vorsichtiger formulieren: statt „Bildrauschen bis ISO 3200 vernachlässigbar“ eher: „Bis maximal ISO3200 können die Bilder oft nach Nachbearbeitung noch verwendet werden.“

Bildbeispiele:

Bild1-klein-Markierung
Bild1-Detail
Canon 500D, ISO1600, keine EV-Korrektur. Das Bild ist leicht verrauscht, aber nach Bearbeitung noch gut zu verwenden.

Bild2-klein-Markierung
Bild2-Detail
Canon 500D, ISO1600, EV-Korrektur auf -1, um das Ausfressen des Lampenlichtes zu verringern. Das Bild ist extrem verrauscht.

 

2009-11-30

Nachtrag

Gerade habe ich bei einem Test ein Foto von der 7D gesehen, welches wirklich störend verrauscht ist (vgl.:  http://www.dforum.net/showthread.php?p=1458382   – gemeint ist die folgende Wirtshausszene, gepostet im „Fazit“: http://www.vogelbetrachter.de/Tamron17-50VC/IMG_4751.jpg). Wenn man sich hiervon das Histogramm anschaut, so sieht man, dass das Bild zwar einige Lichter aufweist – die Lampe in der Nische – ansonsten aber sehr tiefenlastig ist.  Die zwar kleinen, aber sehr hellen Bereiche zwingen nun die Belichtungsautomatik, die Tiefen nur wenig auszusteuern. Resultat ist ein in den Tiefen verrauschtes Bild, bereits bei einer ISO-Einstellung von nur 640 (Histogramm: vgl. Abbildung ).

Gibt es hierzu eine Lösung? Nein, keine wirklich saubere. Workarounds sind:

  • Kamera per +EV-Korrektur weiter aussteuern, ausgefressene Bereiche später in PS reparieren.
  • Bild aufnehmen wie gehabt, verrauschte Bereiche maskiert entrauschen (PS: Rauschen reduzieren).
  • Bild mit Exposure Bracketing aufnehmen, die 2-5 Einzelbilder dann als HDR verarbeiten.
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