Ihr Lieben, Entschuldigung, mehr Click Bait geht ja kaum. Aber im Kern stimmt es, ich habe nur ein wenig aufgerundet. Ihr bekommt leicht für um die 100 Euro eine nicht völlig schlechte Telezoomlinse für Eure Spiegellose, die Euch dann näherungsweise 500 mm bietet.

Spiegellose A7III + Adapter + Superzoom Tamrom 18–270
Mittlerweile setzen viele Fotografen auf Vollformat-Spiegellose, daher nehme ich das als Basis. Ich selbst habe die Sony A7III, und nutze auch oft altes Canon-Glas, das ich dann über den Sigma MC-11-Adapter anschließe. Nun ist für die Aschaffenburger Wildpferde der Wunsch nach einer richtig langen Linse aufgekommen.
Ich habe kurz überlegt, und dann über eBay ein altes 18-270 Tamron-„Superzoom“ mit Canon-EF-Bajonett geschossen. Aufgeschraubt war es schnell, aber scharfe Bilder brauchten dann bei dieser preisgünstigen Linse doch noch ein paar Tricks.
Die Tricks in der Kürze
Crop-Linsen wirken am Vollformat länger
Ich betreibe das Tamron, das ein Canon-Bajonett mitbringt, an meiner Sony A7III über den Sigma MC-11-Adapter. Das Tammy ist für APS-C ausgelegt, aber Ihr könnt es problemlos an Vollformat betreiben, wenn Ihr auch Eure Kamera auf APS-C umschaltet. Bei meiner Sony A7III geschieht das über Quality/Image Size 1 > APS-C/Super 35 mm.
Wenn Ihr das eingestellt habt, sinkt zwar die Auflösung Eurer Vollformatkamera auf fast die Hälfte, aber dennoch reichen die Ergebnisse locker für Insta und Co. und auch Drucke sind noch immer möglich.
Jetzt habt Ihr ein Tele-Zoom, das am langen Ende nicht mehr wie 270 mm wirkt, sondern durch den Crop-Faktor wie 270 x 1,6 = 430 mm! Wenn Ihr die Ergebnisse noch ein wenig zuschneidet, habt Ihr de facto eine Wirkung, wie von einem 500mm-Tele.
Linsen haben einen Sweet Spot
Das Tammy ist generell optisch nicht besonders gut. Da ist es wichtig, das Objektiv bei seiner maximalen Auflösung zu betreiben, also die Blende auf die sogenannte kritische Blende zu stellen. Die kritische Blende kann man entweder mit ein paar Testaufnahmen selbst ermitteln oder auch bei Testlaboren nachschauen. Die folgenden Charts stammen von SLRGear, die mittlerweile zu Imaging Resource umgezogen sind.

Ihr könnt deutlich sehen, dass die Linse bei Blende 6,3 noch richtig weich ist, dann bei 8 schon besser wird und bei 11 einen Sweet Spot hat. Danach wird sie durch die nun auftretende Beugung am Spalt rapide schlechter. Blende 11 ist also die kritische Blende, aber das ist dann schon sehr wenig Licht. Ich betreibe das Tammy bei Blende 8, was mir zumindest im Zentrum die gleiche Qualität liefert.
Ihr könnt, wenn alle Stricke reißen, per KI hochrechnen
Ihr braucht doch mal mehr Auflösung? Dann werft Magnific.AI an und lasst Euch die Bilder fast schon beliebig hochrechnen. Aber Vorsicht, denn bei einer hohen Einstellung für die Creativity fängt Magnific gerne einmal an, zu halluzinieren. Dann erscheinen Augen, Ohren, Ornamente im Bild und ähnliche Geschichten passieren. Bei der Szene auf Venedig seht Ihr den krassen Effekt.

Paar Kommentare zum Autofokus des Tammy
Ihr erwartet hoffentlich bei einer gebrauchten Zoom-Linse für 100 EUR keine Wunder. Aber wenns dann gar zu schlecht geht oder auch der AF sich komplett abschaltet, dann helfen ein paar Tricks, bevor Ihr dann vielleicht doch manuell fokussiert (immerhin mit Focus Peaking und automatischer Vergrößerung bei der A7III):
- Ich habe AF-C verwendet, in der Verbindung mit Back-Button Focus, und dann aber nicht den Daumen immer draufgelassen, wie sonst, sondern press-press-press mich rangetastet. Es geht besser und schneller mit Spot Wide, es geht genauer mit Spot Small.
- Manchmal ging auf einmal gar nichts mehr, dann hat der Wechseln AF-MF-AF an der Linse geholfen.
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