Über- versus Unterbelichtung

Eine Frage, die sich immer wieder durch die Foren zieht: Lieber etwas über- oder lieber etwas unterbelichten? Klar, lieber weder noch, sondern einfach genau richtig belichten, aber was, wenn das nicht geht bzw. wenn man für eine spätere Nachbearbeitung gerne etwas Sicherheit nach einer Seite hätte?

Die Antwort ist messtechnisch gesehen relativ einfach. Zuerst sollte man eine Probeaufnahme machen und das Histogramm anschauen. Folgende Fälle sind dann zu unterscheiden: 

  1. Das Histogramm reicht bis ganz nach rechts, bei einer Überbelichtung würde hier ein Teil abgeschnitten, und es würde Information verloren gehen (die „Zeichnung“ in den hellen Flächen würde verschwinden, der Chip würde übersteuert). Dies ist nicht reparabel und entsprechend zu vermeiden. Im Vergleich zu einem evtl. Abschneiden links im Histogramm ist weiterhin zu sagen, dass relevante Informationen im Zweifelsfall eher in den hellen Werten zu finden sind. Aus den dunklen Bereichen lässt sich normalerweise noch durch „Tiefen und Lichter“ und ähnliche Funktionen im Photoshop etwas Information rauskitzeln – dieser Vorgang ist vergleichbar mit einer höheren ISO-Zahl bei der Aufnahme: die vorhandenen Werte werden einfach verstärkt, sind dann allerdings auch verrauscht. Daher: Wenn einmal aus Gründen der beschränkten Dynamik des Bildaufnahmers das Histogramm abgeschnitten werden muss, dann eher links. Keine gute Idee ist aber auch, stets ohne Not und nur zur Sicherheit eine leichte Minus-Ev-Korrektur einzustellen. Hiermit nimmt das Rauschen in den Bildern sichtbar zu. 
  2. Das Histogramm reicht nicht bis ganz nach rechts und nicht ganz nach links. Der Sensor bietet also noch genug Spielraum für eine Über- oder Unterbelichtung. Wenn ein Übersteuern wirklich ausgeschlossen werden kann, so ist eine leichte Überbelichtung sinnvoll, um den Sensor voll auszusteuern und damit den Signal-Rausch-Abstand zu verbessern bzw. das Rauschen zu verringern. Zu bedenken ist aber auch, das stets ein wenig Sicherheit für die nachträgliche Bearbeitung am PC gelassen werden sollte. Sonst können Operationen wie Weißabgleich, veränderte Gradiationskurven oder andere Farbanpassungen rasch doch noch zu einer Übersteuerung führen. 
  3. Das Histogramm reicht nicht bis ganz nach rechts, aber ganz nach links: Gleicher Sachverhalt wie 2. In diesem Fall ist es natürlich besonders empfehlenswert, den Sensor weiter auszusteuern.

Eine Voraussetzung ist natürlich, dass insbes. die relevanten Bildteile richtig belichtet werden. Man spricht hier auch von einer Belichtung auf die Highlights. Eine Übersteuerung ist leicht durch die blinkende Clipping-Warnung zu erkennen und sollte normalerweise durch eine Minus-Ev-Korrektur vermieden werden. Es gibt aber auch Ausnahmen, wenn bspw. der Hintergrund für einen Freisteller weggebrannt werden soll oder wenn, bspw. bei Nachtaufnahmen, leicht übersteuerte Highlights noch tragbar sind. Hier kann man entsprechend kleinere Bereiche blinken lassen und verringert mit dieser höheren Aussteuerung das Rauschen in den Mitten und Tiefen. Abschließend noch ein anderes Beispiel: Für ein Portrait ist es oft ein guter Ansatz, per Spot-Belichtungsmessung auf die Wange einzustellen. Möglicherweise über- oder untersteuerte Bereiche werden damit für eine optimale Aufnahme der Haut des Models in Kauf genommen.

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Ein Kommentar

  1. Pingback: Wie belichtet man Fotos richtig? | Fotografie-Anleitung

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