Liebe Freundinnen und Freunde der Fotografie. Habt Ihr manchmal bei Repro-Fotos oder ähnlichen Geschichten mit Shading zu kämpfen? Mit der Vignettierung durch das Objektiv oder auch mit einer ungleichmäßigen Beleuchtung? Dann könnte der Beitrag für Euch interessant sein.
Shading
Shading oder Schattierung meint eine ungleichmäßige Beleuchtungssituation oder auch eine Vignettierung durch das Objektiv. Der Vignettierung könnt Ihr noch recht leicht beikommen mit den bekannten Mechanismen in der Kamera oder im Raw-Konverter. Die Funktion heißt dann Shading Correction oder Vignettierungskorrektur.
Wenn aber ein Verlauf bei der Beleuchtung oder ein fleckiges Licht auftritt, müsst Ihr anders vorgehen und vor oder nach der Reproaufnahme auch noch eine gleichförmige, weiße oder graue Referenzaufnahme machen.
Die klassische Shading-Korrektur
Die Shading-Korrektur kommt bei flachen Motiven zum Einsatz, bei welchen man dann recht einfach auch ein flaches, Referenz-Target nutzen kann. Im einfachsten Fall ist das ein weißes Blatt Papier, das genauso groß wie das Motiv ist und das man auf eine plane Fläche klebt. Die Theorie ist wie folgt:
Bild_A = Bild_B x Bild_C
Bild_B ist das Bild ohne Shading, das man eigentlich haben möchte, Bild_C ist der Shading-Effekt, Bild_A ist unser aktuelles Kamerabild, die Operation ist die Multiplikation. Wenn wir Bild_C aufnehmen wie beschrieben, können wir es in Photoshop in Form einer Ebene über Bild_A einfügen und die Füllmethode auf Dividieren stellen und somit für alle drei Kanäle pixelweise ausführen: Result = (Bottom-Ebene / Top-Ebene) x 255.
Bild_B = (Bild_A / Bild_C) * 255
Gut, oder?
Die verbesserte Shading-Korrektur
Der Teufel liegt wie immer im Detail. Wenn Ihr das so umsetzt, wird das Bild_B fast sicher viel zu hell ausfallen (Ihr seht es unten in der Galerie). Der Grund sind Pixel in Bild_C, die nicht im abgeschatteten Bereich liegen, aber dennoch <255 sind. Ein Beispiel aus unserer Aufnahmesituation, aus der oberen linken Ecke:
Bild_B = (244 / 235 ) * 255 = 265, also übersteuert
Ein Problem dabei ist, dass beim Fotografieren im Automatikmodus die Automatik das eigentlich hellere Referenzbild eher dunkler belichtet. Nun könnte man natürlich auch im M-Modus fotografieren und direkt das perfekte Bild_C anstreben. Hier können das Histogramm oder die Zebras in der Kamera helfen, bei der Aufnahme von Bild_C die nicht zu korrigierenden Bereiche knapp zu übersteuern.
Einfacher ist es aber, über Bild_C eine Einstellungsebene Tonwertkorrektur einzufügen und mit der Weißpunkt-Pipette dort ins Bild_C zu klicken, wo das Bild weiß, also ohne Einfluss werden soll. Das könnte man auch automatisieren, aber das lohnt wohl kaum.
Ergebnis = (234 / 255 ) * 255 = 234, nicht übersteuert, keine Veränderung
In der Galerie seht Ihr die Entwicklung, vom teils abgeschatteten Bild, über das Referenzbild, die schlechte Lösung und die bessere Lösung.





Ein paar Ergänzungen
- Wenn Ihr so vorgeht, erschlagt Ihr auch die Objektivvignettierung. Dann solltet Ihr diese Korrektur in der Kamera oder im Raw-Konverter auch abschalten.
- Tatsächlich scheint Adobe Lightroom Classic dieses Feature auch zu beherrschen. Ich kann es aktuell nicht testen, weil ich kein LR habe, aber wer das installiert hat, kann mal schauen. Googelt nach Flachfeldkorrektur oder nach Flat-Field Correction.
- Vieles ist durch diesen Ablauf gut korrigiert worden, aber dem Knick links unten im Picasso konnten wir so nicht beikommen. Da hätten wir das Referenzbild auch exakt so knicken müssen. 🙂
Und jetzt noch die zwei Bilder im interaktiven Vergleich, weil mit das Plug-in so gut gefällt!


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Martin Botvidsson: How to shoot tethered:
Martin Botvidsson: The Hidden Power of LED Light:
–– http://www.fotopraxis.net , Tilo ~gallo~ Gockel, Ende November 2025

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