Über die Aussagekraft von Objektivtests

Bevor ein Fotograf sich eine neue Linse anschafft, studiert er im Regelfall intensiv die Testberichte in Zeitschriften oder in Online-Foren: Verzerrung, Auflösung, Vignettierung usw. usf. Und dann sucht er die offensichtlich beste Linse bzw. jene mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis aus. Aber sind die Tests überhaupt wirklich aussagekräftig? Wie wird denn da genau getestet? Oft läuft der Test folgendermaßen ab: Das Objektiv wird an eine in der Redaktion verfügbare und vom Bajonett her passende Kamera angeschlossen, dann werden die Testbilder aufgenommen, dann erfolgt die Auswertung mit einer Software wie DxO Labs.

Die vewendete Kamera hat entsprechend einen großen Einfluss. Ein Beispiel: Auf der renommierten Testseite SLR-Gear (s. Quellen) werden Canon-Objektive und Fremdanbieterobjektive mit Canon-EF-Anschluss an einer 20D-Kamera (8 MP, Crop-Faktor 1,6x) und an einer 5D-Kamera (13 MP, Vollformat) getestet. Für Nikon-Objektive und Fremdobjektive mit Nikon-Anschluss kommt eine Nikon D200 zum Einsatz (10 MP, Crop-Faktor 1,5x). Die Ergebnisse sind auch bei identischen Objektiven unterschiedlich, das ist erstens naheliegend und zweitens wurde das auch aktuell belegt von der Zeitschrift „Spiegelreflex“, Ausgabe 3-2010 (s. Quellen). Der Grund hierfür liegt in den unterschiedlichen Maßen, Auflösungen und Mikrolinsenstrukturen der Sensoren sowie in der unterschiedlichen Nachbearbeitung durch den Kameraprozessor — auch bei einer Raw-Ausgabe werden die Bilddaten bereits kameraintern vorverarbeitet.

Direkt vergleichbar für eine Aussage wie „X ist besser als Y“ sind die Ergebnisse entsprechend nur bei Test auf der gleichen Kamera. Sinnvoller sind relative Aussagen wie „Verhalten der Verzerrungen oder Vignettierung der Linse X in Abhängigkeit von der Blende“.

Eine Kenngröße, die übrigens kaum korrekt und aussagekräftig getestet wird, ist die Qualität der Unschärfe, das sog. Bokeh.

Abbildung: Unruhiges Bokeh des Tamron 17-50 VC, bisher in keinem Testbericht erwähnt.

Dabei wären ein paar Testbilder mit Unschärfescheibchen rasch aufgenommen, und der Kunde könnte dann selbst entscheiden, ob er mit einer scharfen Linse, die aber „Zwiebelringe“ produziert, leben kann (s. z.B. das Tamron-Foto auf Flickr, vgl. Quellen).

Quellen

  1. http://www.slrgear.com/articles/howwetest/howwetest.html
  2. http://www.spiegelreflex-digital.com/
  3. http://www.flickr.com/photos/galllo/4160351797
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Ein Kommentar

  1. Stefan

    Hallo,
    dies ist ein interessanter Text zu Tests. Ich würde hier aber gerne anmerken das das testen von Objektiven am besten unabhängig (das heist ohne Sponsoring durch die Hersteller) erfolgen sollte. Ich kenne im Internet nur eine Seite die unabhängig und nachvolziehbar testet. Ebenfalls werden genau solche Punkte wie Bokeh und Testbilder aufgenommen. Die Seite ist komplett in Englisch erstellt und somit auch weltweit gut lesbar.

    http://www.photozone.de/

    Schönen Gruß
    Stefan

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