5. Workshop: Poor Man’s Light Tent

Einführung

Ein Light Tent (oder auch Lichtzelt, Lichtwürfel, Fotozelt) ist ein Hilfsmittel in der Objektfotografie. Es umschließt das Objekt von allen Seiten mit einem lichtdurchlässigen weißen Material, welches gleichzeitig sowie als Diffusor für das eindringende Licht als auch innen von den gegenüberliegenden Seiten als Reflektor wirkt. Das Licht ist damit besonders diffus und gleichmäßig – perfekt geeignet, um Uhren, elektronische Geräte oder andere Objekte für eine eBay-Aktion aufzunehmen. Light Tents kann man recht preiswert kaufen [3], aber auch sehr einfach selbst bauen. Im Internet gibt es bereits unzählige Bauanleitungen (Google: “how to make a light tent”), wobei die erzielten Ergebnisse aber recht unterschiedlich ausfallen. In diesem Workshop wird nun eine besonders einfache Bauanleitung gezeigt, die sich bereits gut bewährt hat. Weiterhin werden auch einige Fallstricke oder “Lessons learned” aufgezeigt, um ein gutes Ergebnis zu garantieren.

  

Aufbau des Light Tent

Die wohl einfachste und schnellste Möglichkeit, ein Lichtzelt aufzubauen, ist, eine größere Kiste zu nehmen und hieraus mit einem Teppichmesser einen Rahmen herauszuschneiden (vgl. Abbildung). Dann werden die Seiten von innen (!, damit werden die Holme kaschiert) mit Butterbrotpapier beklebt, und schon ist die Box bereits fast fertig gestellt. Was fehlt, ist eine Art Vorhang an jener Stelle, an welcher die Kamera in die Box schaut. Auch hier reichen zwei Bahnen Butterbrotpapier völlig aus.

 Anmerkung: Diese Frontverkleidung wird bei vielen Bauanleitungen vergessen, was dann dazu führt, dass die Aufnahmen an der Vorderseite der Objekte zu dunkel wirken.

  

Licht- und Kameraeinstellungen

Oft werden die Lichtwürfel zusammen mit Dauerlichtquellen verwendet, im einfachsten Fall mit Halogenspots oder Schreibtischlampen, die von den Seiten und von hinten einstrahlen. Ein schöneres und vor allem auch helleres Licht erzielt man aber mit Blitzgeräten. Im Aufbau wurden drei preiswerte Yongnuo-YN460-Blitzgeräte von eBay links, rechts und hinten platziert, ferngezündet mittels Yongnuo RF-602-Blitztransmittern [1]. Genausogut funktionieren aber auch zwei statt drei Blitzgeräte, wenn man bspw. eine Hohlkehle aus weißem Papier oder Karton in die Box einbringt.

Die Blitzleistung sollte man so anpassen, dass es eine Hauptlichtquelle gibt (3/4 der Leistung) und eine Aufhelllichtquelle (1/4–1/2 der Leistung) – wenn alle Lichtquellen auf der gleichen Leistung stehen, wirkt das Objekt leicht zu flach und zu wenig konturiert. Zur Kameraeinstellung vgl. auch den Workshop [2].

Ansonsten kommt man vielleicht in Versuchung, einen Glasspiegel als Basisplatte zu verwenden. Das hat sich aber nicht wirklich gut bewährt, da Glasspiegel, wie auch in den Beispielen zu erkennen, eine unschöne Doppelreflexion erzeugen. Besser geeignet sind Edelstahlspiegel. Auch ein gangbarer Weg ist es, einfach nachträglich in Photoshop eine Reflexion zu erzeugen.

  

Photoshop

Photoshop kam bei den Beispielen zum Einsatz wie folgt:

  1. Raw-Import, leichte Belichtungsanpassung, dann im Programm:
  2. Crop unter Zuhilfenahme des Tools Atrise Golden Section
  3. Trennlinie Spiegel / Hintergrund löschen (Stempelwerkzeug)
  4. Rauschreduzierung (Nik Dfine), Scharfzeichnung (USM)
  5. Stempeln von Staub, Kratzern und Verunreinigungen
  6. Bei der Uhr: Freistellen der Uhr, danach: Weichzeichnen der Reflexion sowie leichtes Ausblenden mithilfe eines vertikalen Schwarz-Weiß-Verlaufes in der Ebenenmaske

 

Ausblick

Was der gezeigten Lichtbox noch fehlt, sind eine Hohlkehle und ersatzweise ein transparenter Boden aus Acrylglas, der, mit Papier abgedeckt und von unten durchstrahlt, die Objekte ‚schweben’ lässt. Auch könnte die Kiste noch ein wenig größer und ein bisschen sorgfältiger und robuster gefertigt sein. Summa summarum waren die Ergebnisse gerade auch gemessen am geringen Aufwand wirklich erfreulich.

  

Quellen

  1. Workshop: Funk-Blitzauslöser:
    https://fotopraxis.wordpress.com/workshops-2/workshop-funk-blitzausloser/
  2. Workshop: Blitzeinstellung fürs entfesselte Blitzen: https://fotopraxis.wordpress.com/workshops-2/workshop-blitz-gekauft-und-nun/
  3. Bezugsquelle und Produktbeispiel für ein professionelles Lichtzelt: http://www.amazon.de/FOTOZELT-Lichtw%C3%BCrfel-LICHTZELT-80x80x80-cm/dp/B002BAUFAC/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=ce-de&qid=1280136220&sr=8-3

  

tgo, 2010-07-26

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Ein Kommentar

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