1. Workshop: Langzeitbelichtungen und Nachtaufnahmen

Wie gelingen Nachtaufnahmen und Langzeitbelichtungen wie bspw. das nachfolgend gezeigte von der Frankfurter Skyline?

Abbildung 1: Frankfurter Skyline (Anklicken zum Vergrößern). Daten zur Aufnahme: Brennweite 18 mm (an APS-C), Blende f/7.1, Belichtungszeit 25 Sekunden, ISO 100, Belichtungskorrektur 0 EV, Modus AE (Vorgabe der Blende, Zeitautomatik), Dateiformat: Raw.

  

Eigentlich ist scheint das doch ganz einfach: Kamera aufs Stativ, Kabelfernauslöser, fertig! Aber dann kommen doch rasch die ersten Schwierigkeiten… Hier ein paar Punkte, die es zu beachten gilt:

  • Eine Kameraeinstellung auf Raw-Format ist sehr sinnvoll, das lässt mehr Sicherheit für eine spätere Reparatur der ausgefressenen Lichter oder der unterbelichteten Schatten sowie für den Weißabgleich.
  • Weiterhin: ISO möglichst auf 100, das hält das Rauschen gering.
  • Idealerweise verwendet man auch das Feature „Spiegelvorauslösung“ (hat man schließlich bezahlt), da auch die Bewegung des Umlenkspiegels der SLR die Schärfe beeinträchtigen kann (es ist aber nur ein kleines Tüpfelchenauf dem „i“ bei sehr langen Belichtungszeiten — relevanter wird das bei kürzeren Zeiten ).
  • Wenn die Kamera stabil auf einem Stativ steht, sollte man eine etwaige „Image Stabilization“ ausschalten. Besser wird es durch die IS nicht, eher schlechter, wenn der Regelalgorithmus und die Stellmotoren doch anfangen zu suchen und zu regeln.
  • Unbedingt sollte man nach jeder Aufnahme das Histogramm und die Übersteuerungsanzeige checken und gegebenenfalls per Belichtungskorrektur (EV) nachjustieren. Im Regelfall muss man hier ein wenig herunterregeln (Bsp.: -2/3 EV), damit die hellen Lichter (Straßenlaternen usw.) nicht oder nur wenig übersteuern.
  • Was Fokuspunkt und Blende angeht, so gilt das gleiche, wie bei Landschaftsaufnahmen im allgemeinen: Möchte man einen sehr großen Tiefenbereich im Bild scharf bekommen, so sollte man eine Blende >= acht wählen (besser noch >=12), den Autofokuspunkt auf das erste Drittel des gewünschten Tiefenbereichs setzen und das (Zoom-)Objektiv möglichst weitwinklig einstellen.
  • Oft ist für Langzeitbelichtungen der Av-Modus am besten geeignet. In diesem Modus gibt der Fotograf die Blende vor, und die Kamera berechnet die notwendige Belichtungszeit. Dies funktioniert aber typischerweise nur bis 30 Sekunden. Darüber hinaus ist der sog. Bulb-Modus einzustellen. Man gelangt in diesen Modus, wenn man im Modus M (manuell) die Belichtungszeit auf > 30 Sekunden einstellt. Ein Vorteil dieses Modus‘ ist, dass man nun mit dem Fernauslöser Start und Stopp vorgeben kann – perfekt für Feuerwerk und für Lichtspuren von Autos uvm.
  • Wer den Kabelfernauslöser vergessen hat, der verwendet den Selbstauslöser.
  • Wer kein Stativ hat, macht sich ein Säckchen / Tütchen voll mit Reis oder Bohnen und legt die Kamera damit aufs Autodach oder Brückengeländer (Vorsicht! 🙂 ).
  • Was man noch braucht: Taschenlampe (!, sonst kann man die Bedienelemente nicht finden. Weiterhin auch schön für Experimente / Schreiben mit Licht …), Streulichtblende, Schirm.

Abbildung 2: Lichtspuren (Anklicken zum Vergrößern). Daten zur Aufnahme: Brennweite 18 mm (an APS-C), Blende f/13.0, Belichtungszeit: 28 Sekunden, ISO 100, Belichtungskorrektur +0,55 EV, Modus M wie Manuell (Bulb-Modus), Dateiformat: Raw.

 

Auf einmal geht gar nichts mehr – was ist da los??

Die Kamera scheint abgestürzt, fokussiert nicht mehr oder nimmt überhaupt keine Befehle mehr an. Das kann mehrere Ursachen haben:

  • Der Kabelfernauslöser steht (versehentlich) auf Bulb, die Kamera wartet dann auf das Auslösen des Shutters.
  • Die Kamera kann nicht fokussieren, weil zu wenig Licht vorhanden ist, oder sich im Mittelpunkt des Bildes – beim Phasenvergleichs-Autofokus der SLR – nur eine graue Wand oder schwarzer Himmel befindet. Abhilfe schafft das Fokussieren von Hand, das Anpeilen eines autofokusfähigen Punktes im Bild (mit anschließender Umschaltung auf Manuellen Fokus). Noch besser funktioniert das manuelle Fokussieren im 10-fach gezoomten Liveview-Modus — man zoomt einfach auf ein Highlight in der Szene und stellt dies manuell perfekt scharf. 
  • Die Kamera schreibt gerade bzw. ist mit der Rauschreduzierung des aufgenommenen Bildes beschäftigt. Dieser Vorgang kann tatsächlich je nach Modell bei Langzeitbelichtungen genauso lange dauern wie die eigentliche Belichtung.

In der Galerie finden sich weitere Beispiele, komplett mit EXIF-Infos. Und hier gibt es noch einen Link zu wirklich tollen Bildern von Herrn Martin Preissner, nachts aufgenommen, meist als DRI: http://www.nachtmomente.de . Wer sich wundert, wieso Herrn Preissners Aufnahmen so erstaunlich klar und detailreich sind: Er nutzt eine spezielle DRI-Technik* namens Exposure Blending. Herr Preissner nimmt dazu eine Belichtungsreihe mit vielleicht drei bis acht Bildern auf** und verwendet dann am PC eine manuelle Ebenentechnik in Photoshop. Details und Anleitungen dazu finden sich bspw. unter den nachfolgenden Quellen, demnächst gibt es hier vielleicht auch einmal einen Workshop dazu…!

Quellen zur Exposure-Blending-Technik:

http://www.fotocommunity.de/info/DRI
http://www.stefansimons.de/dri/
http://photodoto.com/exposure-blending-tutorial/
http://www.digiachim.de/DRI/index.htm
http://wiki.panotools.org/Enfuse

* Dynamic Range Increase: Umfasst HDRI (High Dynamic Range Imaging) und besagtes Exposure Blending.

** Anmerkung: Und wie macht man das, wenn die Kamera wie bspw. die EOS 500D nur ein AE-Bracketing mit insges. drei Aufnahmen beherrscht? Manuell, mit dem Fernauslöser, im Bulb-Modus! 🙂

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3 Kommentare

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