2. Workshop: How to shoot the moon …!

Wie fotografiert man eigentlich den Mond? Eines ist klar, man benötigt wirklich viel Brennweite. So 250 mm Tele-Objektive oder Telezooms sind das Minimum, noch besser geht es natürlich mit einem Teleskop oder einem Spektiv. Unten im Beispiel habe ich ein preiswertes 18-270 mm Superzoom von Tamron verwendet, der Bildwinkel ist bei 270 mm an einer APS-C-Kamera vergleichbar mit rund 430 mm am Vollformat, und damit sind schon verhältnismäßig ansehnliche Fotos möglich. Ein 2x-Telekonverter wäre auch nicht schlecht, ist aber auch nicht unbedingt erforderlich.

Für optimale Ergebnisse wartet man auf eine klare Nacht, sucht einen absolut dunklen Platz außerhalb der Stadt und verwendet ein stabiles und idealerweise auch beschwertes Stativ. Folgende Vorgehensweise und folgende Einstellungen liefern dann gute Ergebnisse:

  1. Bildstabilisierung (VC, IS …) ausschalten, Tele auf maximale Brennweite, Kamera auf Raw-Modus.
  2. Manueller Modus, ISO 100 (*), schärfste Blende der Linse einstellen (**, beim Tamron und bei 270 mm ist das Av = f/11), Belichtungszeit anfangs um die 1/50tel Sekunde, später feintunen anhand der Ergebnisse auf dem Kamera-Display (übersteuerte Bereiche vorhanden? alle Details gut erkennbar?).
  3. Liveview einschalten, Fokussierung mit dem Kontrast-AF (bei Canon ist das die Sternchen-Taste). Ersatzweise kann man natürlich auch im 10-fach gezoomten Liveview-Modus manuell fokussieren, auf jeden Fall muss man das immer mal wieder wiederholen, weil sich der Fokus – gerade bei den Tamron-Objektiven – leicht verstellen kann. Ansonsten sollte der Mond sich möglichst zentral im Bild befinden, da hier die Linsen geringere Verzerrungen aufweisen als im Randbereich.
  4. Anmerkung: Wenn die Kamera keinen Liveview-Modus besitzt, dann sollte man die Spiegelvorauslösung der Kamera verwenden, der Unterschied ist wirklich erstaunlich groß. Ein Auslösen im Liveview-Modus hat den gleichen Effekt, auch hier ist der Spiegel bereits hochgeklappt.

Andere Quellen wie „Cyrill Harnischmacher: Die wilde Seite der Fotografie“ empfehlen eine Belichtung wie folgt: Kamera auf Bulb-Modus, schwarzen Hut oder schwarz ausgekleidete Schüssel oder einfach mattschwarze Platte vor die Linse halten (aber den Aufbau nicht berühren), Start der Belichtung mit dem Drahtauslöser, Hut kurz entfernen, Hut wieder davor, Beendigung des Belichtungsvorganges mit dem Drahtauslöser.

Diese Vorgehensweise sichert geringstmögliche Vibrationen an der Kamera, ermöglicht aber auch nur Belichtungszeiten bis vielleicht 1/8 bis 1/16 Sekunde, womit der Mond noch kräftig überstrahlt ist. Wenn man nun zum Ausgleich die Blende weiter verringert, so wird auch das Bild wieder schlechter, da man den Bereich der kritischen Blende verlässt. (**)

Summa summarum: Zumindest bei meinen Tests waren die Ergebnisse mit Spiegel-Vorauslösung besser als jene mit dem schwarzen Deckel. Zu den Abbildungen: Der Mond ist auf den ursprünglichen Fotos nur ca. 520×520 Pixel groß. Entsprechend sind alle Bilder sind bereits kräftig zugeschnitten bzw. gecroppt, und dann hochgerechnet, um den Mond noch größer erscheinen zu lassen.

 

Abbildung 1: Das Foto direkt aus der Kamera – der Mond ist leider nur ca. 500×500 Pixel groß (Klicken für größere und schärfere Darstellung).


 


Abbildung 2: Ergebnis nach Photoshop-Kur (Klicken für größere und schärfere Darstellung).



Abbildung 3: Ergebnis nach finalem Touch-up. Das Bild wurde um einige Wolken ergänzt, mittels Photoshops Fotofilter mit einem Blaustich versehen, dann kam das Flaming Pear Flood-Plug-in für die Spiegelung zum Einsatz (Klicken für größere und schärfere Darstellung).


Abbildung 4: Naheliegende Spielerei: Silhouette vor dem Mond. Genauso gut sind natürlich Baumwipfel, Flugzeuge oder Hexen auf Besen geeignet (Klicken für größere und schärfere Darstellung).


Details zu Nachbearbeitung in Photoshop:

  1. Zuschnitt (Crop) auf den Mondbereich mit ein bisschen Raum am Rand, das Ergebnis ist ca. 1000×1000 Pixel groß. Hochrechnen via Bild / Bildgröße / 3000 x 3000, Bikubisch schärfer (auch wenn der Modus Bikubisch schärfer eigentlich zur Reduktion gedacht ist).
  2. Bild / Korrekturen / Tonwertkorrektur / Auto.
  3. Vorsichtiges Schärfen via Unscharf Maskieren. Im Beispiel mit den Werten 148/2,4 /1.
  4. Leichten Blaustich hinzufügen mittels Fotofilter.

Wenn das Bild nun zwar scharf und detailreich ist, aber noch etwas langweilig, so kann man natürlich Wolken, Spiegelungen und Flugzeugsilhouetten nach Gusto ergänzen (s. Beispiel, hier wurden die Wolken in Photoshop ergänzt und dann das Flood-Plugin von Flaming Pear für die Spiegelung verwendet).

Und eines noch zum Abschluss: Oft sieht man Stadtaufnahmen, Aufnahmen von der Golden-Gate-Brücke usw., und darüber einen riesigen und detailreichen Vollmond. Das sind stets Fotomontagen, da der Mond bei den für die Nachtaufnahmen in der Stadt notwendigen Belichtungszeiten völlig überstrahlen würde.


Fußnoten

* Der Mond bewegt sich erstaunlich schnell durchs Bild. Hier können für besonders scharfe Bilder auch Experimente mit kürzerer Belichtungszeit und ISO 200 lohnenswert sein. Andererseits habe ich auch bereits wirklich gute und scharfe Mondfotos, aufgenommen mit Fernrohren, mit Belichtungszeiten von 1/15tel auf Flickr gesehen. Ein sicherer Bereich ist wohl 1/40tel – 1/100tel Sekunde.

** Die optimal-scharfe Blende für die jeweilige Linse erhält man aus Test-Tabellen. Eine gute Quelle ist bspw.:
http://www.slrgear.com/reviews/showcat.php/cat/2.

Hier ist übrigens die Schärfentiefe und damit auch die förderliche Blende irrelevant, es geht nur um die absolut gesehen schärfste Blende bzw. den optimalen Kompromiss aus Aberrationsunschärfe und Beugungsunschärfe, auch kritische Blende genannt. Vgl. hierzu auch die folgenden Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kritische_Blende

http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6rderliche_Blende

   

Quellen

Interessante Website mit tollen Ergebnissen, oft mit einer Standard-APS-C-Kamera aufgenommen mit 600mm-Tele und 2x-Telekonverter:
http://www.pbase.com/arlon/moon

2 Kommentare

  1. Hallo!

    Das ist wirklich ein tolles Tutorial! Danke dafür! 🙂

    Sag mal, hast du direkt bescheid bekommen das du gewonnen hast? Wie läuft das ab? Ich habe vor ein paar Tagen ein Tutorial dort hochgeladen aber beim hochladen selbst keine Bestätigung in irgendeiner Weise erhalten, das alles dort angekommen ist. Wie war das bei dir?

    Grüße Stefanie

  2. Hi Stefanie, merci fürs Feedback,
    also die sind da nicht so besonders zuverlässig mit dem Antworten oder mit Eingangsbestätigungen. Ich hatte vlltl so drei Tuts mittlerweile hochgeladen (*) und das hier hat jetzt gewonnen.

    Grüße, Tilo

    (*) Bestätigung ist, wenn die Website / das Skript sagt, „Hochladen erfolgreich“osä. Mehr kommt nicht.

    Das muss allerdings schon kommen, sonst stimmt irgendwas nicht — typischerweise: Auflösung bei Screenshots zu gering …

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