7. Workshop: Geringe Schärfentiefe mit Kompaktkameras

Immer einmal wieder taucht die Frage auf, ob auch mit Kompaktkameras das Stilmittel der geringen Schärfentiefe einsetzbar ist. Vorneweg: Es geht, aber es geht nicht besonders gut! Woran liegt das?

Bei Betrachtung der Formel für die Schärfentiefe (vgl. bspw. Schröder: Technische Optik) sieht man, dass es folgende Einflussgrößen gibt: Die Brennweite (sie sollte möglichst lang, möglichst auf Tele gestellt sein), die Blende (sie sollte maximal offen sein) und der Abstand vom Objekt. Kompaktkameras besitzen einen sehr viel kleineren Sensor als APS-C- oder Vollformat-Spiegelreflexkameras und werden deswegen mit sehr viel kürzeren Brennweiten eingesetzt, um die gleichen, gängigen Bildwinkel zu erhalten. Auch sind die Objektive nicht so lichtstark und die Blenden lassen sich entsprechend nicht auf solche Werte wie f/1.8 oder f/1.4 einstellen, die bei SLRs den schick verschwommenen Hintergrund erzielen. Was aber funktioniert, ist die geringe Schärfentiefe im Makrobereich (kurzer Abstand zum Objekt).

Hier nun ein Rezept, mit welchem man bei vergleichsweise kleinen Szenen (Food) doch noch auch mit Kompakten eine ansprechende geringe Schärfentiefe erzielt:

  1. Blende ganz auf.
  2. Brennweite auf Tele.
  3. Möglichst nah ran ans Objekt, möglichst auf Makromodus (das widerspricht sich mit Punkt 2 – da muss man ein wenig iterieren).
  4. Den Hintergrund möglichst weit weg vom Objekt wählen und idealerweise auch irgend etwas mit glitzernden Punkten dort hinstellen (das erzeugt die schönen Unschärfescheibchen bzw. Bokeh-Kreise).

Hier zwei Beispiele, aufgenommen mit einer Canon G10. Im ersten Beispiel ist der Teller mit den Keksen noch einigermaßen bildfüllend (der Abstand zum Objekt noch vergleichsweise groß) und der Hintergrund auch nicht ausreichend unscharf.

Erst im zweiten Beispiel sieht der extreme Schärfeverlauf auch wirklich gewollt aus und die Glanzlichter der grünen Mosaikgläs’chen verschwimmen nun auch schön zu den oft gewünschten Bokeh-Kreisen (hinter den Gläsern verbirgt sich übrigens ein Blitzlicht)!

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Abbildung 1: Der Hintergrund ist noch nicht ausreichend unscharf. Die Unschärfe sieht noch nicht wirklich gewollt aus.

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Abbildung 2: Der Abstand zum Objekt wurde weiter verringert. Nun ist der Hintergrund schön unscharf, und es zeigen sich auch bereits die begehrten Bokeh-Kreise.

Die Einstellungen zu den Bildern lauten: Belichtungszeit t=1/100 sec, Blende A = f/4.5, Gain = ISO 80, Brennweite f= 22 mm, Makromodus, Abstand zum Objekt g= 300 mm. Der Brennweitenbereich der G10 reicht von 6,1 mm bis 30,5 mm, Kleinbildäquivalent ist 28 mm bis 140 mm.

Noch zwei Worte zum angesprochenen Makromodus: Meist verändert sich bei der Umstellung auf diesen Modus nichts an der Optik, sondern es wird lediglich der Algorithmus des kontrastbasierten Autofokus auf ein anderes, größeres Fenster umgeschaltet. Wenn die Kompaktkamera auch manuell fokussiert werden kann, so ist dies für solche Experimente wie oben u.U. vorzuziehen, hier ist dann kein Umschalten auf Makro notwendig.

Für Portraits ist eine geringe Schärfentiefe noch schwieriger umzusetzen, da normalerweise der Abstand zum Model nicht so klein gewählt werden kann. Was der Fotograf aber beeinflussen kann, das ist der Abstand des Models vom Hintergrund. Dieser ist möglichst groß zu wählen.

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