3. Workshop: Funk-Blitzauslöser

Einführung | Irgendwann möchte wohl jeder, der sich etwas intensiver mit der Fotografie beschäftigt, auch Blitzlicht einsetzen. Mit den Aufsteckblitzen auf der Kamera kommt man schnell an eine Grenze, kann dann aber mit speziellen Funksendern und -empfängern den Blitz auch von der Kamera lösen und somit „entfesselt“ blitzen. Diese Funkmodule sind in  der Einsteigerklasse wirklich erschwinglich und liegen teilweise im Preis unter einem Originalspiralkabel der Kamerahersteller. Gegenüber den noch etwas preiswerteren Infrarot- und Fotozellenlösungen ist der Vorteil, dass keine Sichtverbindung bestehen muss.

Die Nachteile sind bei den Einsteigerprodukten teilweise eine eingeschränkte Distanz und Zuverlässigkeit, bei den teuren Profiprodukten (Pocketwizards, Alienbees, …) wiederum der hohe Preis [6].  Weiterhin ist fast allen Systemen gemein, dass sie keine E-TTL-Daten übertragen – der Blitz muss entsprechend manuell eingestellt werden. Wenn der Blitz das nicht unterstützt, so kann die Lichtintensität nur noch über den Abstand variiert werden.

Zurück zur erschwinglichen Klasse: Besonders verbreitet sind die Cactus- und die chinesischen Yongnuo-Module. Erstere gefallen mir persönlich wegen der länglichen Bauweise und des damit verbundenen großen Abstandes Blitz–Stativ nicht so besonders. Weiterhin scheinen die Geräte gerade bei größeren Funkabständen nicht immer ganz fehlerfrei zu funktionieren, wofür es aber wiederum viele Hacks und Mods im Netz  gibt [5,6]. Im weiteren werden wir die genauso preiswerten und mittlerweile recht ausgereiften Yongnuo-Produkte näher untersuchen.

Yongnuo CTR-301 | Der CTR-301 (s. Abbildung) war einer der ersten Yongnuo-Blitztrigger. Das Gerät ist bauklein und im Bundle von bspw. 1 Sender + 3 Empfänger kostengünstig über eBay zu beziehen [1].  Auf kurze Distanzen (2–3 Meter) funktioniert das Gerät recht zuverlässig. Es gibt aber auch Nachteile: Die Reichweite ist beschränkt (ab 3–4 Metern gibt es erste Aussetzer), die Batterien sind exotisch und teuer (Sender: 23A 12V,  Empfänger: CR2), und die 1/4-Zoll-Gewindebuchse ist nicht unendlich stabil und beim Autor bei einem Modul auch bereits aus dem Plastik herausgebrochen.

 

Abbildung 1: Sender (mit angelöteter kurzer Antenne), Empfänger, Batterien (Bild anklicken für vergrößerte Darstellung).

  

Der begrenzten Reichweite kann man mit Antennenmodifikationen begegnen, wie sie auch schon für die Cactus-Module zuhauf im Netz veröffentlicht wurden [5]:  Man öffnet das Gerät, sucht die Antennenleiterbahn (eine Leiterbahn, die an einer Seite nirgendwo angeschlossen ist) und lötet einen Draht der Länge 17,5 oder 8,75 cm an (433 MHz, 70-cm-Band, lambda/halb oder lambda/viertel oder lambda/achtel Antenne). Schicker wird es mit einer HF-Buchse und einer kleinen Stummelantenne, idealerweise nicht nur am Sender, sondern auch am Empfänger (zum Umbau vgl. das Cactus-Beispiel: [5]). Wer die Umbauten scheut, der kann auch gleich auf das neuere System von Yongnuo umsteigen:

Yongnuo RF-602 | Die Yongnuo RF-602-Module (s. Abbildung) sind leistungsfähiger, reichen länger, unterstützen Stand-by und können auch die Kamera fernsteuern, [2,3,4,7]. 

Abbildung 2: RF-602-Sender, Empfänger und Batterien (Bild anklicken für vergrößerte Darstellung).

  

Für letztere Funktion gibt es zwei verschiedene Bauformen für Canon und Nikon, die sich aber nur im Kameraanschlusskabel und in der Bezeichnung leicht unterscheiden (Endung bspw. C3 für Canon, N1 für Nikon). Als Batterien kommen für den Empfänger gängige 2x AAA-Zellen zum Einsatz. Im Sender findet sich wieder der eher exotische Typ CR2, der aber das Modul auch relativ lange versorgen kann. Zu den Betriebsmodi:

  1. Standardbetrieb am Aufsteckblitz: Sender auf Kamera, Empfänger auf Blitzschuh, fertig.
  2. Betrieb mit Studioblitz: Sender auf Kam, Empfänger per Klinkenstecker an Blitz
  3. Zur Fernsteuerung der Kamera (anstelle des Blitzes) wird eines der länglichen Empfängermodule an die Kamera mit Kabel angeschlossen und mit dem Sender dann fernausgelöst. Der Schalter am Transmitterklötzchen ist hierfür ähnlich wie der Auslöser an der Kamera zweistufig ausgeführt: Bei leichtem Druck wird fokussiert, bei festerem Druck wird aufgenommen. Falls das nicht funktioniert, so kann es sein, dass die Kamera gerade nicht automatisch fokussieren kann. Dann sollte man probehalber auf MF umstellen. Fehlt nur noch: Was macht die merkwürdige Buchse (eine „PC-Buchse“) am Sendermodul?
  4. PC-Trigger (hat nichts mit „Personal Computer“ zu tun :-): Damit kann man über ein spezielles, nachzubestellendes Kabel einen Blitz mit dem Tranmitter kabelfernzünden. Wozu? Das Modul dient dann einfach als Blitzschuh-nach-PC-Buchsen-Adapter

 

Soweit die Funktionsweise, nun ein erster Eindruck nach einer längeren Fotosession: Die Module sind grundsätzlich zuverlässig und reichen auch über längere Distanzen, auch die Handhabung ist ok. Ein Empfängermodul hat kurzzeitig Schwierigkeiten gemacht, das werden wir noch näher untersuchen. Mögliche Fehlerursachen für vermeintliche Fehler sind oft: Blitz ist noch am Nachladen, Kamera kann nicht fokussieren, Sendermodul steckt nicht vollständig im Blitzschuh, Blitz steckt nicht richtig im Empfängermodul, Batterien gehen zur Neige. Zum Test verwendet wurde eine Canon 500D in Verbindung mit mehreren Yongnuo YN-460-Blitzen.

Bezugsmöglichkeiten | Kurz einige Details zu Bezugsmöglichkeiten für die Yongnuo-Produkte: Die Module sind leicht über eBay zu beziehen, die Sendung geschieht flott und kostet noch nicht einmal Porto. Allerdings kann es geschehen (so auch beim Autor schon zweimal), dass man beim Zoll vorstellig werden und die Umsatzsteuer nachzahlen muss. Weiterhin sollte man teurere Sendungen splitten, um sie unter der Grenze für den Zoll zu halten (die Zoll-Wertgrenze für Kleinsendungen ist 150 Euro).

Nicht bei eBay Deutschland? | Wenn die Module in bestimmten gewünschten Bundles (3+1, 4+1 …) wie aktuell gerade nicht in Deutschland verfügbar sind, so kann man sie auch einfach über eBay USA bestellen. Der Hersteller bzw. Lieferant liefert auch dann ohne Murren direkt von China nach Deutschland, wieder wird kein Porto in Rechnung gestellt, die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte über PayPal.

Nachtrag: Zumindest bisher, bei den letzten Aufnahmen, ist der Fehler mit dem RF-602 nicht wieder aufgetreten. Wahrscheinlich handelte es sich um einen der genannten Bedienerfehler. 🙂

  

Quellen

  1. Produkte: Yongnuo CTR-301, Yongnuo RF-602: http://www.ebay.de (Suchbegriffe entsprechend: yongnuo rf-602, ankreuzen: [x] Artikel und Beschreibung durchsuchen).
  2. Produkt: Yongnuo RF-602 im Bundle (3 Empfänger, 1 Sender): http://www.ebay.com (Suchbegriffe entsprechend: yongnuo rf-602, ankreuzen: [x] include title and description).
  3. Youtube-Video (englisch), Produktvorstellung der Yongnuo RF-602 http://www.youtube.com/watch?v=HhFDb2EO0j8&feature=related
  4. Vorstellung und Test der Yongnuo RF-602 im Kwerfeldein-Blog: http://kwerfeldein.de/index.php/2009/10/17/per-funk-ausloesen-mit-dem-yongnuo-rf-602/
  5. Cactus-V2-Hacking: Antennenmodifikation und Erweiterung für preiswertere Batterien:
    http://jeremykuster.blogspot.com/2007/10/gi-cactus-v2s-modification-tutorial.html
  6. Übersicht über alle gängigen Funkauslöser (AlienBees, Cactus, Pocketwizards, Yongnuo, Elinchrome, Radiopopper):
    http://goodlight-photography.blogspot.com/2009/01/hier-findet-ihr-eine-ubersicht-uber-die.html
  7. Vorstellung der RF-602-Module im Blog von Martin Krolop:
    http://www.krolop-gerst.com/blog/technical-tutorial/technical-5-yongnuo-rf-602rx-funkauslosesystem/

 

tgo, 2010-07-15

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