3. Workshop: Der richtige Crop …!

Wie nimmt man einen optimalen Zuschnitt eines Bildes vor? Wie bestimmt man den Bildbereich optimal und hebt die Bildwirkung hervor?  Schon vor Da Vincis Vitruv-Mann, der oft stellvertretend für die Regel des goldenen Schnitts gezeigt wird und sich auch auf der italienischen Euro-Münze wiederfindet, waren den Künstlern einige  Regeln geläufig:

  • Relevante Punkte im Bild wie wichtige Kreuzungspunkte, Schwerpunkte wichtiger Bildregionen, Augen, wichtige Kanten usw. sollten im Goldenen Schnitt angeordnet werden. Das Teilerverhältnis ist dann 1:1,618.  Eine Variante des Goldenen Schnitts ist die Drittelregel, das Teilerverhältnis ist hier 1:1,5, das Ergebnis ist etwas dynamischer, aber auch etwas unruhiger.
  • Schneiden kann man überall, aber nicht an Gelenken oder durch Augen von Tieren und Menschen.
  • Die Leserichtung eines Bildes ist in der westlichen Welt von links nach rechts, entsprechend sollten Linien ins Bild hineinführen, von links kommen. Auch Dinge (Autos, Züge) oder Lebewesen sollten von links kommen.
  • Lebewesen haben eine Blickrichtung und eine Bewegungsrichtung. Hierfür sollte Platz gelassen werden im Bild. Ähnliches gilt für Dinge, die in Bewegung sind oder sein könnten wie Autos – hier sind die Scheinwerfer quasi die Augen.
  • Nur ein mutiger Crop (Zuschnitt) ist ein guter Crop. Das ist gleichbedeutend mit dem bekannten Tipp „Ist das Bild langweilig, dann bist Du nicht nahe genug dran!“
  • Wenn man gecroppt hat, ist es lohnenswert, einfach nochmal enger zu croppen oder auch anders zu croppen und am Ende das Ergebnis mit der intensivsten Bildwirkung auszuwählen.

Und jetzt zu einem Praxisbeispiel: Eine Ameise auf einem Blatt.  Das Bildformat ist mit Landscape nicht gut gewählt, und weiterhin sieht es aus, als würde die Ameise gleich vom Blatt fallen. Der Farbkontrast rot/grün wiederum könnte mit einem anderen Crop ganz schick werden. Was ist zu tun:

  1. Bilddrehung um 90 Grad, damit das Bild im hierfür etwas spannenderen Portraitformat vorliegt. Die Ameise hat damit auch einen stabileren Stand und droht nicht mehr, herunterzufallen.
  2. Horizontale Bildspiegelung, damit die Ameise ins Bild hineinläuft, und nicht aus dem Bild heraus.
  3. Zuschnitt, der die Ameise in den Goldenen Schnitt oder ins Drittelraster legt. Hier wurde das Drittelraster gewählt, um das Bild etwas dynamischer zu gestalten. Der Zuschnitt erfolgte mithilfe der Zuschnitt-Schablone von Atrise: GoldenSection.
  4. Vignette, Farbsättigung etwas verstärken, Ameise vorsichtig abwedeln (Abwedler auf Lichter und auf 2%) und dezent schärfen.
  5. Schwarze Balken links und rechts als Rahmen und zur Kontraststeigerung. Fertig!

Abbildung 1: Das langweilige Ausgangsbild, eine Ameise auf einem Blatt – sie scheint fast herunterzufallen.


Abbildung 2: Hier bereits nach der Rotation und Spiegelung. Gerade erfolgt der Zuschnitt mit der GoldenSection-Schablone von der Firma Atrise — hier auf das Verhältnis 1:1,5 und auf das Endbildformat von 3:2 eingestellt. Die hohe Bildauflösung von 15 MPixeln erlaubt gerade noch so den sehr engen Beschnitt.


Abbildung 3: Fertiges Bild, vignettiert, etwas in der Sättigung erhöht, mit schwarzen Rahmenbalken zur Kontraststeigerung versehen.

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