6. Workshop: Blumen und Blüten

Die erste Exkursion im VHS-Fotokurs führt typischerweise in den botanischen Garten: Blumen sind fotogen, gut verfügbar und geduldig, die idealen Objekte, um den Umgang mit der Kamera zu üben, aber auch um die Bildgestaltung zu verfeinern. Auch für einen verregneten Nachmittag gibt es kaum etwas entspannenderes, als zu Hause einmal auf dem Tisch das Foto-Equipment aufzubauen und mit ein oder zwei ausgewählt schönen Blumen in der Vase und Tageslicht zwei Stunden lang alle erdenklichen Lichtwinkel und Kameraperspektiven zu erforschen.

Da es bereits unzählige Fotos von Blumen gibt, muss man sich immer wieder etwas neues einfallen lassen, um den Betrachter zu locken. Also nicht die Vogelperspektive auf den Blumenstrauß oder die Blumenwiese im direkten Sonnenlicht, sondern eher interessante Experimente mit Gegenlicht, mit Makroobjektiven, mit ungewöhnlichen Hintergründen und Farbkombinationen. Und natürlich mit interessanten Blüten – es müssen nicht immer Rosen, Sonnenblumen oder Orchideen sein …!

Diffuses Tageslicht ist optimal, sollte es nicht diffus sein, so kann man einfach einen Diffusor verwenden. Dazu noch ein, zwei einfache Reflektoren, bspw. Styroporplatten, das sollte als Licht-Setup bereits ausreichen. Weiterhin ist es sinnvoll, die Kamera auf ein Stativ zu stellen und mit Kabelfernauslöser zu bedienen. Kameraeinstellungen: ISO100, Blende auf eine große Öffnung um vielleicht 2,8 vorgeben (Av-Mode), Belichtungsautomatik und automatischer Weißabgleich. Bei Makros kann für besonders scharfe Bilder weiterhin u.U. sinnvoll sein: Spiegelvorauslösung. Der (gezoomte) Liveview-Modus hilft beim Fokussieren im Makro-Modus. Ein weiteres sinnvolles Ausrüstungsdetail ist ein kleiner Parfümzerstäuber, der, mit Wasser gefüllt, für einen tollen Morgentau-Effekt sorgt (s. die letzten Bilder der Bildserie).

Im nachfolgend abgebildeten Setup wurde eine APS-C-Kamera EOS 500D mit 18-55-Kit-Objektiv verwendet. Das Objektiv ist hierbei ergänzt um einen aktiven 10-mm-Zwischenring. Was bedeutet hierbei „aktiv“?: Die Steuerkontakte von der Kamera zum Objektiv zur Blenden und AF-Steuerung werden bei diesem Zwischenring durchgeschleift. Ein kompletter, aktiver Zwischenringsatz eines Drittanbieters für Canon-Bajonett kostet über Amazon rund 95 Euro (Suchbegriff: zwischenringe canon automatik).

Es ist natürlich auch möglich, einen viel preiswerteren passiven Zwischenring zu verwenden (Satz für Canon-Bajonett ab 20 Euro), aber hierbei funktionieren Auto-Fokus und Blendenansteuerung nicht mehr. Für eine Blendeneinstellung muss das Objektiv zuerst einmal ohne Zwischenring aufgesetzt, die gewünschte Blende gewählt,  die Schärfentiefevorschautaste gedrückt und gehalten werden und damit dann das Objektiv wieder von der Kamera gelöst werden. Sehr umständlich und vielleicht auch mit der Gefahr verbunden, etwas an der Kamera zu zerstören.

Die Blüte in der folgenden Bildserie ist eine Distelblüte. Die Pflanze wächst ca. 1,20 m hoch und hat Stacheln am Stiel. Sie wächst bei uns in Süddeutschland an der Straße.

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Abbildung 1: Blumen-Setup.

 

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Abbildung 2: Hier wurde die Blume vor grünem Geschenkpapier aufgenommen.

 

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Abbildung 3: Jetzt dient ein weißer Reflektor als Hintergrund wie im Setup zu sehen.

 

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Abbildung 4: Hier wurde die Blüte mit einem kleinen Zerstäuber mit Wasser besprüht, um sie taufrisch wirken zu lassen.

 

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Abbildung 5: Wieder wurde die Blüte besprüht, weiterhin wurden Blickwinkel und Abstand variiert.

 

Fazit: Am schönsten nach meinem Geschmack, am ätherischsten, aber auch am schwierigsten zu belichten waren die Aufnahmen im zarten Gegenlicht. Dieses Gegenlicht kommt nicht direkt vom (Nord-)Fenster, sondern von einem Reflektor beim Fenster (s. Setup). Ein paar abschließende Worte noch zum Fokus: Wie immer bei Makroaufnahmen, so ist auch hier das Fokussieren vielleicht die größte Herausforderung. Wie schon angesprochen, kann der eingezoomte Liveview-Modus helfen. Weiterhin wäre sicher Tethered Shooting über das Notebook oder – über HDMI – übers heimische TV eine große Hilfe, bedeutet aber natürlich auch immer einen gewissen Umstand bzw. einen aufwändigeren Setup-Aufbau.

Manchmal ist die Versuchung gegeben, die Schärfeebene irgendwo in die Mitte oder gar ans Ende der Bildtiefe zu legen und manchmal funktioniert das auch und sieht toll aus. Auf der sicheren Seite ist man aber, wenn man den Vordergrund scharf einstellt – so ist der Betrachter das wahrnehmungsphysiologisch gewöhnt.

Ausnahmen bestätigen die Regel, und so musste bspw. bei der ‚taubenetzten‘ Blüte auf die Tropfen als bildwichtigstes Detail scharfgestellt werden, obwohl diese nicht ganz im Vordergrund sind.

Für einige der Fotos kam übrigens als Zuschnittshilfe wieder das Tool ‚Atrise GoldenSection‘ zum Einsatz. Es dient als Schablone, um mit dem Crop-Tool von Photoshop bildwichtige Kanten oder andere Details in den goldenen Schnitt zu legen (s. auch den Workshop zu diesem Thema).

Zum Abschluss folgt noch ein Bild einer anderen Blüte, auch vom Wegesrand, aufgenommen mit einem 31mm-Zwischenring.

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Abbildung 6: Blüte vom Wegesrand, Canon EOS 500D, Tageslicht, 18-55-Objektiv auf f=55 mm, 31-mm-Zwischenring, Blende = 1/5.6, ISO100, tv = 1 Sekunde (Kamera auf Stativ). Die Blüte liegt auf einer CD-Hülle für die Spiegelung.

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