2. Workshop: Blitz gekauft, und nun …?

Blitz gekauft, und nun …? Kamera- und Blitzeinstellung beim entfesselten Blitzen mit Speedlights.

  

1. Speedlights, Systemblitze

Speedlights (Speedlites) ist Jargon für Blitzlichtgeräte, die portabel und batteriebetrieben sind und auf die Blitzschuh-Aufnahme (Hotshoe Adapter) auf der Kamera passen. Das Gegenstück ist der Studioblitz, der nicht portabel ist (weil an die Steckdose gebunden) und auch keinen Blitzschuh besitzt. Im Deutschen heißen die portablen Geräte Systemblitze, aber da ist oft die Verwirrung groß, ob das nicht eine bestimmte Systemfamilie (Canon oder Nikon oder Sony) meint – genau das soll hier aber nicht das Thema sein! Meines Erachtens sicher berechtigt, aber nicht so besonders interessant sind die A- und E-TTL-Systeme der großen Kamerahersteller, bei welchen Blitz und Kamera über mehr als zwei Kontakte verbunden sind und über eine vergleichsweise aufwändige Kommunikation die richtigen Blitzwerte und Kameraeinstellungen in einem Vollautomatik-Modus untereinander aushandeln. Aber wahrscheinlich finde ich das nur nicht so toll, weil ich es nicht besitze … 🙂

Aber auch wer solche Geräte besitzt, sollte sie entfesselt betreiben! Entfesselt heißt: nicht auf der Kamera. Wieso nicht auf der Kamera? Weil dieses direkte Licht mit Blitz auf der Kamera alles tot blitzt. Jedes Motiv sieht aus wie ein Fahndungsfoto.

  

2. Entfesseltes Blitzen

Die erste Möglichkeit, entfesselt zu blitzen, ist die Anbindung über ein u.U. herstellerspezifisches Spiralkabel (damit funktionieren auch besagte Automatik-Modi noch weiterhin), die zweite, coolere (und interessanterweise auch teilweise preiswertere) Möglichkeit ist die Funkanbindung. Funkmodule, die bei mir funktionieren, oder von denen ich bereits gutes gehört habe in preislich aufsteigender Reihenfolge: Yongnuo, Cactus,  PocketWizard.

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Bild 1: Preiswerter Yongnuo-Blitz + Yongnuo-Funktrigger + Manfrotto-Schirmhalter.

  

3. Kameraeinstellung und Blitzeinstellung

So! Nun ist der Funk-Trigger da und der Blitz per Funk angeschlossen, aber wie ist denn das System jetzt einzustellen? Blitzleistung? Belichtungszeit? Blende? ISO? Da war ich auch erstmal aufgeschmissen, aber hilfsbereite und kompetente Flickerer haben mir geholfen, und das möchte ich nun weitergeben (vielen Dank an Swet!, nickwheeleroz, Tom Robbrecht)! Eine gute Einstellregel lautet wie folgt:

  1. ISO einstellen auf 100 (auf Minimum), mit Blitzeinsatz ist oft nicht mehr Gain notwendig und würde nur zu Rauschen führen.
  2. Blende entsprechend der gewünschten Schärfentiefe einstellen.
  3. Belichtungszeit einstellen auf 1/100stel: Das ist erstmal eine gute Blitzsynchronisationszeit, bei welcher Umgebungslicht – wenn es nicht sehr hell ist – wahrscheinlich ausgeblendet wird, die Blitzsynchronisation aber sicherlich noch funktioniert (der Verschlussvorhang der SLR nicht zu schnell ist bzw. keine halben Bilder unbelichtet abschneidet).
  4. Blitz je nach Abstand und Größe des Objekts und verwendetem Diffusor und Gefühl vielleicht mal so auf halbe Power.

So! Jetzt einmal zwei oder drei Probeschüsse! Ein Blick auf das Display, auf das Histogramm und auf die Übersteuerungsanzeige (blinkende Bereiche im Bild) führt rasch zu einer optimalen Einstellung der Blitzleistung und des Blitzabstandes. Was gibt es noch zu sagen? Sicher noch viel …

Zuerst einmal folgendes: Nur die Blende bestimmt die eintretende Blitzlichtmenge, nicht etwa die eingestellte Belichtungszeit (der Blitz leuchtet sowieso nur wenige Mikrosekunden). Die Belichtungszeit darf also auch relativ lang werden, und dennoch wird das Umgebungslicht noch vom Blitzlicht übertrumpft / ausgeblendet. Sie darf aber nicht zu kurz werden (nicht kürzer als vielleicht 1/200stel, je nach Kamera auch nur 1/60tel), weil sonst der Verschlussvorhang der SLR ein Teil des Bildes im Blitzmoment verdeckt.

  

4. Die Kombination aus Blitzlicht und Umgebungslicht

Noch interessanter wird es nun, wenn man auch Umgebungslicht einbeziehen möchte, also die Belichtungszeit so weit herunternimmt, dass das Umgebungslicht mit dem Blitzlicht konkurriert. Auch hier muss man wieder ausprobieren, typischerweise muss man wirklich weit heruntergehen, vielleicht so auf 1/30tel Sekunde. Das Bild wird dennoch scharf werden, zumindest in den blitzlichtbeleuchteten Bereichen.

Bild 2: Jetzt wirds richtig interessant: Mischung von Blitzlicht und Umgebungslicht.

  

Für diese Einstellung kann man sich übrigens wieder vom Automatikmodus der Kamera helfen lassen! Für das Zusammenspiel Umgebungslicht / Blitzlicht gilt es nun, die perfekte Balance zu finden. Ersteres wird über die Belichtungszeit eingestellt, zweiteres über Blitzlichtleistung und Blitzlichtabstand.

  

5. Externe Belichtungsmesser

Natürlich ist der Einsatz eines externen Belichtungsmessers hierbei hilfreich, aber die Geräte sind teuer und umständlicher in der Handhabung, als ein kurzer Blick aufs Histogramm. Auch Profis verzichten mittlerweile oft darauf. Der Vollständigkeit halber soll hier kurz erklärt werden, wie die Geräte funktionieren (Bsp.: der renommierte Klassiker: Sekonic L-358): Das Gerät wird so in der Szene eingebracht, dass der Sensor im relevanten Bereich der Szene misst (bspw. an der Wange des Models). Nun gibt es zwei wählbare Steuerungsmodi: (1) Das Gerät löst die Blitze aus (2) Das Gerät wird duch die Blitze ausgelöst. In beiden Fällen gibt das Gerät die Blende zurück, die an der Kamera einzustellen ist (der verwendete ISO-Wert ist dem Gerät anfangs mitzuteilen). Super bequem und hochgenau!

   

6. Lichtwerte, Exposure Values, Blende, ISO, Belichtungszeit, Blitzenergie, Leitzahl

Eines noch zum Abschluss: Die Einstellregeln sind vor allem deswegen so einfach in der Handhabung und fürs Experimentieren, weil alle beteiligten Größen so ausgelegt sind, dass eine Stufe (ein Lichtwert LW, ein Exposure Value EV)  hoch oder runter eine Verdoppelung oder Halbierung der Lichtmenge bedeutet. Dies gilt für die Blende, (zumindest für ganze Werte der Blende (1/1.4/2/2.8/4/5.6/8/11/16 …), nicht für die Drittelwerte der SLRs, das muss man wissen!), für die Belichtungszeit (1/60, 1/125, 1/250 …) und für die ISO-bzw. Gain-Einstellung (100, 200, 400 …).

Eine Verdoppelung oder Halbierung der Blitzenergie in Joule bedeutet einen Lichtwert mehr oder weniger. Beispiel: Wenn ein Blitz mit 10 Joule und Blende 5,6 die richtige Belichtung ergibt, so gilt das gleiche bei 20 Joule und Blende 8.

Etwas kniffeliger wird es, von der Leitzahl auf Lichtwerte (Lichtwerte LW, Exposure Values EV, umgangssprachl.: „Blenden“) zu kommen, hier kommt ähnlich wie bei der Blendenreihe der Faktor √2 = 1,41 ins Spiel. Beispiel: Ein Blitz, der bei ISO 100 die Leitzahl 40 hat, hat bei ISO 200 die Leitzahl 40 x 1,41 = 56.

Dies ist aber nur beim Vergleich verschiedener Blitzgeräte relevant, nicht bei der Einstellung. Bei der Einstellung des Blitzes wird über 1/1, 1/2, 1/4 usw. die Leistung jeweils halbiert, entsprechend bewegt man sich wieder in +/- 1 EV-Schritten  in der Blendenreihe. 

  

7. Weiterführendes

Zum Einsatz von Lichtformern (Umbrellas, Reflektoren) und anderen Details vgl. auch die anderen Workshops (Food, Sushi, Halloween …). Im Anschluss sind noch einige wertvolle Quellenangaben genannt, die garantiert Appetit auf eigene Versuche machen!

 
8. Quellen

  1. Workshop Funk-Blitzauslöser:
    https://fotopraxis.wordpress.com/workshops-2/workshop-funk-blitzausloser/
  2. Die weltbekannte Strobist-Website von David Hobby:
    http://www.strobist.blogspot.com
  3. Zack Arias, Just One Light — Blitzen mit nur einer Blitzlichtquelle. Workshop-DVD:
    http://www.onelightworkshop.com
  4. Joe NcNally: Hot Shoe Diaries — Big Light from Small Flashes. Buchtitel:
    http://www.amazon.de/Hot-Shoe-Diaries-Creative-Applications/dp/0321580141
  5. Info-Website zu Leitzahl und zu Blitzleistung:
    http://foto.beitinger.de/leitzahl/index.html
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