4. Workshop: Biometrisches Passbild selbstgemacht

Seit geraumer Zeit benötigt man zur Verlängerung des Reisepasses ein sog. biometrisches Passbild. Das ist beim Fotografen erhältlich, aber u. U. nicht ganz billig und wird dann noch nicht einmal immer von der Erkenner-Software im Amt akzeptiert (Fehlerquote laut Rathaus Aschaffenburg ca. 5 %). Wer ein Minimum an Fotoausrüstung zu Hause hat und Photoshop oder Photoshop Elements besitzt, der kann das aber auch relativ leicht selbst herstellen. Spezielle Passbildabzüge in der passenden Größe gibt es bspw. beim Drogeriemarkt DM, und hier kostet ein Abzug mit acht Passbildern nur rund 30 Cent!

Die Anforderungen an das Passbild sind beim Fotografieren wie folgt (vgl. auch die Quellen):

  1. Grauer Hintergrund ohne Textur (das kann man auch durch Freistellen in der Bildverarbeitung erreichen)
  2. Keine Schatten im Hintergrund
  3. Keine Verkippung (Nase gerade, Nase in der Bildmitte)
  4. Gesicht gut ausgeleuchtet, kein Nasenschatten
  5. Keine Reflexionen an der Brille
  6. Blick geradeaus gerichtet
  7. Ausdruckslose Mimik, kein Lächeln, Lachen, Grinsen
  8. Keine Reflexionen (Glanzstellen) im Gesicht

Abbildung 1 zeigt ein mögliches Minimal-Setup. Den gezeigten Reflektor (bspw. eine kleine Styroportafel) kann man auch gut selbst in der Hand halten und die Kamera dann über den Selbstauslöser bedienen.

Abbildung 1: Minimalistisches Licht-Setup. Für das untenstehende Foto wurde als Reflektor einfach eine Styroporplatte nah der Wange in der Hand gehalten.

 

Hins. der Bearbeitung in Photoshop sind folgende Schritte notwendig (s. hierzu auch auch die Schablone, diese kann man zum Einpassen einfach als teiltransparente Ebene über das Foto legen):

  1. Gesicht freistellen, Hintergrund ersetzen durch einen einfarbig grauen Hintergrundbereich
  2. Bild horizontal ausrichten (Pupillen auf gleiche Höhe bringen)
  3. Bild skalieren (Ctrl-t) und mit Beibehaltung des Seitenverhältnisses (Shift gedrückt halten) anhand der Anfasser mit der Maus in die Schablone einpassen
  4. Bild verschieben, um das Kinn an der Kinnlinie zu platzieren
  5. Bild verschieben, um den Nasenrücken auf die vertikale Mitte zu setzen
  6. Bild skalieren, bis die Augen sich im Augenbereich befinden (zwischen den zwei Linien oben und unten, im Beispiel unten fast schon etwas knapp)
  7. Bild skalieren, bis die Gesichtshöhe passt (Gesichtshöhe = Höhe Kinn bis zum Haaransatz, nicht bis Kopfende!): 32 –36mm, entsprechend oben einpassen in die Min-Max-Markierung. Vorsicht, auch bei dieser Skalierung: Längen-Breitenverhältnis fixieren durch Gedrückthalten der Shift-Taste. Der erlaubte Bereich wird im Template durch die zwei Linien oberhalb und unterhalb der Häkchenreihe gekennzeichnet. Dieses Maß ist je nach Frisur schwer einzuhalten, aber auch das unkritischste, wichtiger ist die vertikale zentrale Ausrichtung, die Kinnlinie und die Lage der Pupillen
  8. Mittels „Tiefen und Lichter“: Schatten aufhellen, Nasenschatten verringern
  9. Mittels Stempel und Nachbelichter: Reflexionen an der Brille verringern
  10. Leicht schärfen
  11. Augen leicht abwedeln (der Algorithmus sucht die Pupillen, diese müssen also gut erkennbar sein)
  12. Leichte Kontrasterhöhung
  13. Bildgröße: Mittels der Schablone auf 35×45 mm bringen und zurechtschneiden (crop)
  14. Vorsichtiger Histogrammausgleich (Tonwertkorrektur, Auto) und vorsichtiger Weißabgleich (Tonwertkorrektur, Weißpipette auf die Styroporplatte)

Abbildung 2: Geforderte Geometrie (Scan der Original-Klebeschablone aus dem Rathaus Aschaffenburg – vielen Dank nochmals für die Bereitstellung!). Einfach hier herunterladen (rechte Maustaste, „Speichern unter …“) und dann auf einer zusätzlichen halbtransparenten Ebene in Photoshop als Schablone verwenden!

 

Abbildung 3: Ergebnis in Photoshop mitsamt halbtransparenter Schablone in einer zweiten Ebene zur Einpassung kurz vor dem endgültigen Zuschnitt.

 

Alles in allem sollte man in einer knappen Stunde die Vorlage erstellen können – wer in Photoshop geübt ist und das Studio schon eingerichtet hat, der schafft es vielleicht auch in einer halben. Vorsichtshalber nochmals angemerkt sei, dass man beim Skalieren von Foto oder Template stets sorgfältig beachten muss, das Längen-Breitenverhältnis nicht zu verändern. In Photoshop verriegelt man dies mit beim Skaliervorgang gedrückter Shift-Taste.

Die Vorgehensweise funktioniert gut, und so wurde das Foto des Autors ohne Beanstandung akzeptiert. Zu weiteren Details vgl. auch die Quellen.

Und hier noch ein paar Maße, die zeigen, dass das ganze auch relativ gut passt mit den gängigen Angaben:

  • Passbildgröße generell: 35 mm x 45 mm (Verhältnis 1,28)
  • Passbildgröße gemessen (Druck bei DM-Markt): 37 mm x 50 mm (Verhältnis 1,35)
  • Bildgröße nach Zuschnitt in Photoshop, mit der Schablone (Außenrand), Bsp.: 2247Pixel  x 2792 Pixel (Verhältnis 1,24)

 

Abschließend noch ein weiterer Durchlauf mit Model Benni (MK 225589). 2x Mausklick für größere Darstellung.

Quellen

  1. ePass: Foto-Mustertafel der Bundesdruckerei: http://www.bundesdruckerei.de/de/service/service_buerger/buerger_persdok/persdok_epassMstr.html
  2. Gute Frage: Informationen zum biometrischen Reisepass:
    http://www.gutefrage.net/tag/biometrisches-passbild/1
  3. Sehr schöne Visualisierung der relevanten Bereiche: Kinnlinie, Nasenbereich, Augenbereich und – hellgrün – Bereich für das obere Gesichtsende bzw. den Haaransatz.
    http://www.passbild-generator.de/bilder/passbild-generator1.jpg

3 Kommentare

  1. Pingback: WORKSHOP: BIOMETRISCHE PASSBILDER | Fotopraxis.net

  2. Markus

    Habe mir heute bei dm Passfotos ausdrucken lassen und eine böse Überaschung erlebt. Gegenüber der PS-Originaldatei in 10 x 15 cm bei 300 dpi war das Ergebnis total überschärft und in den Farben doch sehr übersättigt. Gibt es hier Tipps wie man dem in PS entgegensteuern kann ?

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