NEWS! SCHLUDRIG – OK, ABER WANN?

“Jaaah, schmierig isser. Schmierig!!” sagt Harald Juhne in Schtonk ganz stolz über seinen Reporterkollegen Hermann Willié. Ich bin zwar hoffentlich nicht schmierig, aber dafür schon manchmal ganz schön schludrig. Auch beim Fotografieren. Bei manchen Aspekten sehr schludrig, bei anderen höchst penibel.

Um was es geht: Was sollte man bei der Aufnahme hinbekommen und was geht viel einfacher später in Lightroom und Photoshop – das ist die Frage! Und dafür hab ich ein paar Beispiele nebst Comments mitgebracht.

SCHMIERIG ISSER, nein,… SCHLUDRIG  ISSER!

Was muss vor Ort im Kasten sein und was gelingt viel besser und schneller in Photoshop? Unten kommen dazu einige Beispiele dazu. Und wenn Ihr manchmal denkt: “Aah, da macht er sich aber viel Arbeit in Photoshop, hätte er besser mal bei der Aufnahme die Fussel entfernt (oder auf die waagrechte Ausrichtung geachtet oder was auch immer)!” Nein!, sage ich dann, allermeistens geht das in Photoshop mit ein wenig Übung und Praxis verblüffend schnell. Ich gehe hier auch davon aus, dass ich das Foto eh ausrichten und neu zuschneiden muss, da kann ich auch kurz die Fussel wegmachen.

Aber Vorsicht: Das gilt nicht für alle Bilddetails. So lassen sich Schärfe, Licht, Bildwinkel und Perspektive kaum in Photoshop korrigieren, und mit manchen Details wie zum Beispiel Haarsträhnen hat man es zumindest viel schwerer als in der Szene vor Ort. Und jetzt zu den Beispielen (2x Klick aufs Bild vergrößert).

CD-Player

Das war mir wichtig bei der Aufnahme:
Perfekte Schärfe auf der Digitalanzeige, interessanter unscharfer Hintergrund, mehrere Bilder für die anschließende Montage schießen (die CD zum Beispiel, sie sollte unter dem gleichen Licht fotografiert werden), passende Belichtung ohne Ausbrennen, interessante Reflexion auf dem schwarzen Plexiglas.

Das war mir schnuppe:
Etwas schiefe Ausrichtung, unaufgeräumter Hintergrund, Kratzer und Schrauben an der Front des Gerätes, Untergrund.

Ovation

Wichtig:
Licht, Schärfe auf vorderen den Wirbeln, Perspektive, passende Unschärfe im Hintergrund, schöner Untergrund (zeigt die Perspektive), Raw.

Mir egal:
Lichtformer ragt links rein, grüner Abstandshalter, Staub, Kratzer, unpassender Weißabgleich, schludrige Ausrichtung.

Barock

Wichtig war mir:
Schönes Licht, Schärfe auf den Augen, Catchlights in den Augen, passender Nasenschatten, Hand-/Fingerhaltung, Mimik, näherungsweise optimale Belichtung zumindest ohne Ausbrennen, Raw.

Mir egal:
Langweilige Wand, langweiliger moderner Stuhl, Haltung nicht ganz optimal.

Shoeshine

Wichtig war mir bei der Aufnahme:
Durchgehende Schärfe, Licht, aufgeräumter Bildaufbau, Komposition.

Schnuppe war mir:
Schludrige horizontale Ausrichtung, fehlerhafter Weißabgleich (das ist mit einer LED-Lampe beleuchtet, das bekommt man sowieso erst später hin), Schmutz auf dem Untergrund, Untergrund zu knapp bemessen, Fussel und Staub.

Frankfurt

Wichtig war mir bei der Aufnahme:
Schärfe, interessanter Winkel (Wahl der kurzen Brennweite), interessanter Himmel (dafür war mir dann auch eine optimale Belichtung wichtig, ohne dass hier etwas ausfrisst), Raw.

Mir egal:
Unpassender Weißabgleich, störendes Geländer, nicht ganz optimale Ausrichtung in der Waagerechten.

Portrait

Wichtig war mir:
Licht (weiches Seitenlicht in passendem Winkel), perfekte Schärfe auf den Augen, Winkel der Kamera von oben, passende Brennweite und Blende (85 f/1.8 @ f/1.8, also offenblendig; am Vollformat), interessanter Blick.

Mir egal:
Hintergrundfalte, fehlendes Make-up, Bildausschnitt (lieber etwas großzügiger wählen, auch das Bild links ist bereits gecroppt).

Breitling

Wichtig war mir:
Licht (weiches, kühles Licht von vorne links, warmes Licht von hinten), diffuse Reflexion im Glas, Schärfe auf den Ziffern, Uhr einigermaßen vom Hintergrund umschlossen.

Mir egal:
Nicht optimaler Weißabgleich, Hintergrund ein bisschen knapp (die Fliese ist zu kurz), Fussel, Kratzer.

FourSquare

Wichtig war mir:
Schönes Licht (weiches Seitenlicht von links), gute Schärfe auf der Beschriftung der Blitze, Motiv einigermaßen umschlossen von einem passenden Hintergrund.
Damit konnte ich den späteren Hintergrund aus dem fotografierten Hintergrund generieren, und so fallen kleine Unsauberheiten beim Freistellen kaum auf. Auch das Spiralkabel hängt in einem fast schon passenden Bogen (das Feintuning kommt dann später per Verflüssigen, das sind dann nur zwei, drei Mausklicks).

Mir egal:
Nicht optimaler Weißabgleich, suboptimale Belichtung, dunkle Bereiche saufen ein bisschen ab, Hintergrund noch zu scharf und rechts zu knapp, Strahlkraft und Kontrast fehlen im Originalbild.

Mystic Light

Wichtig war mir:
Schönes Licht, helle Schnittfläche, gute Schärfe auf der Schnittfläche, interessantes Hintergrund-Bokeh, Komposition, Raw-Format.

Mir egal:
Nicht optimaler Weißabgleich, suboptimale Belichtung (ein bisschen überbelichtet), Bildausschnitt nicht optimal.

BROWSER-STRANDGUT

+++ YN-622 für NIKON +++ Photoshop +++ Canon-News +++ Fuji-Shutter in Highspeed +++ van Niekerk +++ Flickr +++

~gallo~, 05/2013

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3 comments

  1. Tilo

    Tolles Thema… und wirklich nicht unwichtig, die Arbeitsteilung zwischen Kamera und Photoshop. Echt gut auf den Punkt gebracht. Der Text zusammen mit der eigenen Erfahrung macht dann Gründe für wiederholte Fehler klar. Danke dafür.

    Gruss, Tilo

    PS.: “Bladerunnercity” ist ja immer wieder ein echter Hingucker… saugeil!

  2. Hi Tilo, merci fürs Feedback! Ja, immer so eine Sache, was straigt-out-of-camera gelingen muss, was besser nachträglich gemacht wird. Klar, in der Reportage oder Wildlife-Fotografie muss alles “echt” sein, aber sonst ist es oft viel effizienter, bestimmte Schritte dann nach Photoshop auszulagern. Und selbst die erstgenannten machen zumindest auch sicher immer eine Raw-Entwicklung (und könnten dort Belichtung usw anpassen) und geben dem Foto einen neuen Zuschnitt und eine neue Ausrichtung …. schöne Grüße Tilo

  3. Mattias Seidel

    Ja, schön wär’s, wenn ich auch so bewusst wie Du entscheiden könnte…
    Da fehlt es bei mir aber einerseits an Erfahrung, was denn in PS mit welchem Aufwand machbar wäre und auch die Fähigkeit, solche Retuschen in realistsicher Zeit durchzuführen. Ich versuche so zu fotografieren, dass ich mit LR alleine klarkomme. Ggf. lebe ich mit kleineren Makeln…
    Dein Artikel ist trotzdem wertvoll für mich, weil er klarmacht, dass es lohnt, sich bewusst zu machen, worauf es einem bei einem geplanten Foto wirklich ankommt. Danke dafür!
    Ich wünsch Dir eine angenehme Woche, Tilo.
    Gruß, Mattias.

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