NEWS! PANOS II – PANOS LEICHTGEMACHT

“Dear photography friend, how is it going?” So begrüßt Michael Zelbel seine Youtube-Besucher (siehe unten), und so begrüße ich Euch auch mal abwechslungshalber! Also: Wie schauts? Seid Ihr schon draußen in der Natur? Mit der Kamera? Wer dort Panos aufnehmen möchte, der findet hier unten vielleicht noch ein paar interessante Tipps und Tricks, und wer was anderes machen möchte, wird hoffentlich beim Browser-Strandgut fündig. Viel Spaß!

PANOS AUS DEM HANDGELENK

Nach der Veröffentlichung des letzten Pano-Beitrages kam doch einiges Feedback, also mache ich hier einfach noch einmal etwas zu diesem Thema. Vor einigen Wochen habe ich das Kloster Eberbach besucht, um dort ein paar Architekturfotos und vielleicht auch Panos bei natürlichem Licht aufzunehmen. Ich war nur mit meiner etwas betagten Canon G10 unterwegs, ansonsten ohne alles – also schon bekleidet, aber ohne Stativ oder ähnliches Equipment – und da stellt sich natürlich die Frage: Kann denn so ein anständiges Panorama entstehen? Wohl kaum, oder?

Vorneweg ist zu sagen, dass die Szene im Kloster Eberbach auch noch relativ komplex ist, da manche Säulen sich nahe am Standpunkt des Fotografen befinden und damit die Parallaxenfehler groß werden (2x Click aufs Bild vergrößert):

Kloster Eberbach

Viel einfacher sind Panoramen, bei denen die Motive weiter entfernt sind, aber auch hier funktioniert es dennoch. Hier kommen zuerst die Tricks für die eigentliche Aufnahme, und im Anschluss zeige ich Euch dann den einfachen und sehr flotten Ablauf zu Hause am PC:

  1. Schaltet zuerst die Kamera auf Manuell und messt dann vorher so ein, dass Ihr hinsichtlich der Belichtung einen guten Kompromiss für alle Bilder erhaltet. Ich verwende das JPEG-Format, um die Datenflut überschaubar zu halten (schnell sind an die 80 Bilder aufgenommen… im Beispiel waren es aber nur 21).
  2. Die erwähnten Parallaxenfehler verschwinden, wenn Ihr die Kamera im Nodalpunkt dreht. Ein Stativ mit Nodalpunktadapter wäre dafür optimal, aber wer will das schon immer mit sich herumtragen. Der Nodalpunkt befindet sich näherungsweise in der Mitte des Objektivs, und so ist es wichtig, dass Ihr auch bei handgehaltenen Aufnahmen nicht etwa Euch selbst dreht, sondern dass Ihr Euch so gut es eben geht „um die Kamera“ dreht.
  3. Fotografiert am besten im Hochformat und wählt die kürzeste Brennweite.
  4. Wenn Ihr nun die Aufnahmeserie schießt, so achtet auch auf eine große Überlappung von rund 30 bis 50 % und pausiert kurz vor jeder einzelnen Aufnahme, um die Bewegungsunschärfe zu minimieren. Wer auf Nummer Sicher gehen will, der nimmt die 360 Grad einfach zweimal auf.

Zu Hause angekommen braucht es nun vor allem ein gutes Panoramaprogramm, um die Daten mit den sicher noch immer vorhandenen Parallaxenfehlern einfach und rasch zu fusionieren. Ich habe hierfür bereits viele Programme ausprobiert – Photoshop, PT GUI, Hugin usw. usf. – verwende aber aus drei Gründen nur noch ICE. Erstens ist es sehr robust und wenig anspruchsvoll und fusioniert häufig Bildserien, bei denen andere Programme versagen. Zweitens ist es rasend schnell und drittens kostet es nichts. Der Wermutstropfen: Da das Programm von Microsoft stammt, ist es für MAC OS leider nicht erhältlich. Aber für solche Fälle bleibt Euch immer noch Bootcamp. So, hier nun die Ausgangsbilder für das Pano:

Ausgangsbilder

Zum Programm selbst ist wenig zu sagen, da Ihr sowieso so gut wie nichts einstellen könnt oder müsst. Zieht einfach die Dateien ins Fenster, dann beginnt das Programm automatisch mit der Berechnung. Falls die Dateien im Raw-Format vorliegen, so müsst Ihr diese vor der Fusion durch den Raw-Konverter Eurer Wahl schieben. ICE liest TIFF, JPEG und einige andere Dateiformate, aber Raw-Formate werden nicht unterstützt.

Screenshot ICE

Im Beispiel Eberbach hat das Programm auf meinem Notebook (!) nach gestoppt 53 Sekunden die 21 Aufnahmen klaglos und ohne jede Benutzereingabe fusioniert (21 Aufnahmen á 15 MP, JPEG-Format). Das Schreiben des entstandenen Panoramas dauerte dann nochmals ähnlich sauschnelle 55 Sekunden.

Somit ist das Pano grundsätzlich fertiggestellt, es weist aber tatsächlich doch einige Frakturen auf. Das ist der Tribut, den Ihr für die sehr bequeme Aufnahme und die sehr flotte und einfache Berechnung nun zahlen müsst. Aber mit Photoshop oder auch Photoshop Elements sind die Bildfehler schnell repariert: Wählt die fraglichen Frakturen mit dem Polygonlasso aus, kopiert das jeweilige Bildteil auf eine neue Ebene und transformiert und verzerrt es passend. Versäubert es dann jeweils mit dem Radierer oder mittels einer Maske und reduziert die Flicken-Ebene und das Ausgangsbild wieder auf eine Ebene. Nach ein paar Ausbesserungen, einem neuen frischen Zuschnitt und bisschen Standard-Kosmetik in Form von Tiefen & Lichtern und Dynamik ist das Panorama auch schon fertig:

06a 06b 06c 06d

05

So machen Panoramen auf einmal richtig Freude, und mit den gleichen Tricks gelingen Euch auch Little Planets, Multi-Row-Panos oder auch Bokehramen. Genauso ballastfrei und bequem, einfach aus der Hand. Und wenn Ihr einmal sogar die Kompaktkamera vergessen haben solltet: Die Vorgehensweise funktioniert auch mit der Kamera des Smartphones. Hier noch als Beispiel ein Pano, auch aus Eberbach, mit dem iPhone aufgenommen und ebenso wie oben mit ICE fusioniert:

Little Planet Eberbach

Und wer sich für Details zum Ablauf für Little Planets interessiert, der könnte auch einmal hier in die Leseprobe und die Galerie reinschauen: >Photo Finish, Verlag Galileo Design.

BROWSER-STRANDGUT

+++ Beautydish +++ Quarzlampe für Food +++ IR-Fotos +++ Riesige Lochkamera +++ Hauttöne +++ Modelmeinungen +++ Strobist +++ Michael Zelbel +++

~gallo~, 4/2013

5 Kommentare

  1. So jetzt bin ich schon mindestens beim 10 Post…und stoße nun auf mein Lieblingsthema: 360° Kugelpanos. Ich persönlich bin zwar auch von ICE bzgl. Geschwindigkeit und Vollautomatik begeistert aber bzgl. Stitching-Fehler ist mir dann doch PT GUI (bin vor 2 Jahren von Hugin auf PT Gui umgestiegen, weil es RAW Dateien schluckt und mir im Hinblick auf HDR Panos gut gefällt) viel lieber. Da kann man manuell nachhelfen. Außerdem fotografiere ich oft mit 24 mm (3 Reihen mit je 10 Fotos) da sind die oberen 10 Fotos oft nur blauer Himmel. Das ist natürlich für ICE dann nicht mehr schaffbar…

    Bzgl. Geschwindigkeit bin ich aber voll bei dir. Es ist gewaltig wie viel schneller ICE ist…

  2. Hi Dietmar, merci fürs Feedback – ja, für so komplexe Sachen, da ist sicher PT Gui die bessere Wahl. Ich werde dann aber auch schnell zu ungeduldig. :-)
    Deine 360-Grad-Seite ist toll, ein Augenschmaus, ich bring die mal im Browser-Strandgut in den nächsten Wochen!

    schöne Grüße Tilo

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